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Wie geht es Ihnen? von Karina Matejcek, www.kamaco.at Was antworten Sie auf diese Frage? Meist ja eher mechanisch ein „Danke, gut“ oder „Danke der Nachfrage“ oder „Danke. Und selbst?“. Und so wird bei dieser Frage ein standardisierter Dialog abgespult, bei dem keine der beiden Seiten wirklich interessiert an einer ehrlichen Antwort ist. So hat sich das in unserer Kultur eingeschliffen und niemand denkt sich etwas dabei, es ist ganz normal, auf diese Frage mit einer Phrase zu antworten, und es wird auch nicht anders erwartet. Im Gegenteil, man will rasch zur Sache kommen und keine Zeit mit tiefgründigen Unterhaltungen über Persönliches verschwenden. Doch was wäre, wenn die Konventionen nicht so wie eben geschildert wären? Wenn Sie auf die Frage „Wie geht es Ihnen?“ ernsthaft antworten müssten? Wenn das Gegenüber wirklich daran interessiert wäre, etwas über Ihr Befinden zu erfahren, und mit Ihnen gern darüber sprechen würde? Was würden Sie antworten? Könnten Sie Ihr Befinden in Worte fassen? Diese Frage klingt auf den ersten Blick möglicherweise absurd, aber: Wissen Sie überhaupt, wie es Ihnen geht? Welche Gefühle tauchen auf, wenn Sie sich das fragen? Welche Widerstände? Welche Gedanken? Wie würden Sie Ihr aktuelles Befinden beschreiben? Machen Sie doch die Probe aufs Exempel: Nehmen Sie sich eine Viertelstunde Zeit und denken Sie darüber nach, wie es Ihnen geht. Ihnen ganz persönlich, in Ihrem Innersten, hören Sie sich zu, wie Sie über sich, mit sich sprechen, was Sie bewegt. Gönnen Sie sich diese Zuwendung, machen Sie vielleicht ein regelmäßiges persönliches Ritual daraus, darüber nachzudenken, wie es Ihnen geht. Und ergreifen Sie öfter die Gelegenheit, auch andere wertschätzend dazu einzuladen, Ihnen auf Ihr „Wie geht es Ihnen?“ jenseits aller Konventionen authentisch von ihrer Befindlichkeit zu erzählen. Hören Sie zu und lassen Sie sich auch einmal mit jenen auf ein persönliches Gespräch ein, mit denen Sie üblicherweise ganz sachlich an der Oberfläche bleiben. Sie lernen dabei nicht nur den anderen besser kennen, sondern ganz sicher auch sich selbst. Buchtipp C. Otto Scharmer: Theorie U – Von der Zukunft her führen. Presencing als soziale Technik. 496 Seiten, gebunden, Carl-Auer-Systeme Verlag 2009, ISBN 978-3-89670-679-9, ca. 50 Euro. Von der Zukunft her führen bedeutet, Potenziale und Zukunftschancen zu erkennen und im Hinblick auf aktuelle Aufgaben zu erschließen. Presencing (zusammengesetzt aus presence und sensing) nennt Otto Scharmer diese Fertigkeit zur Entwicklung, von der sowohl eine Organisation als Ganzes als auch der einzelne Mitarbeiter persönlich profitiert. Mit der „Theorie U“ hat Scharmer eine zeitgemäße und im wahrsten Sinne zukunftsweisende Führungsmethode entwickelt, die neue, den aktuellen Anforderungen im Zeichen starker Veränderungen angepasste Führungsinstrumente bereitstellt. Scharmers zentraler Gedanke: Wie sich eine Situation entwickelt, hängt davon ab, wie man an sie herangeht, d. h. von der eigenen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Fallbeispiele aus der Beratungsarbeit und viele persönliche Einblicke in die Erkenntnisprozesse des Autors zeigen, wie mit der „Theorie U“ in der Praxis gearbeitet werden kann und wie jeder Einzelne in seiner persönlichen Entwicklung davon profitieren kann. – Der Autor ist Senior Lecturer am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und Gründer des Presencing Instituts in Cambridge, Mass. Er berät Unternehmen weltweit und hat unter anderem auch mit Peter Senge, dem Autor von „Die fünfte Disziplin“, publiziert. Mehr Informationen: www.ottoscharmer.com
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