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Muss die Datenwelt einen Repräsentanten in der Geschäftsführung haben?

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Dadurch dass im heutigen Geschäftsleben ein Schwerpunkt darauf liegt, alles möglichst digital zu erledigen, ist der Einfluss des Marketings auf Entscheidungen in der IT gestiegen. Heute ist es ganz normal, dass Marketingleiter auch in der Geschäftsleitung sitzen. Dadurch erhalten sie oft mehr Unterstützung und ihnen werden leichter die Mittel für ihre Projekte bewilligt, die häufig damit zu tun haben, das Kundenerlebnis zu verbessern. Wenn es dann an die Umsetzung der Projekte geht, tritt häufig eine Qualifikationslücke zwischen dem Marktwissen der Marketingabteilung und den Kenntnissen des IT-Leiters zutage. Diese Tatsache führt in Europa dazu, dass in den Unternehmen zunehmend Chief Data Officers (Datenverantwortliche) installiert werden.

Viele IT-Verantwortliche werden sofort der Aussage zustimmen, dass ihnen das operative Tagesgeschäft keine Zeit mehr dafür lässt, sich um die Herausforderungen rund um das Datenmanagement zu kümmern. Wenn man ständig operative Dinge regeln muss, dann fehlt die Zeit für die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens.

Obwohl so gut wie nichts dagegen spricht, dass IT-Leiter das Ruder in die Hand nehmen und den organisatorischen Wandel zusammen mit den Marketing-Kollegen bestimmen, herrscht in dieser Hinsicht immer noch große Zurückhaltung. Gartner hat festgestellt, dass mehr als die Hälfte (51 Prozent) der IT-Leiter befürchten, dass die digitale Flut ihre Fähigkeiten übersteigen könnte. Und 42 Prozent schätzen ihr Kompetenzen als zu schlecht ein, um zuversichtlich in die Zukunft blicken zu können.

Eine mögliche Erklärung dafür ist die ungebremste Zunahme der Daten. Auch wenn die IT-Leiter die Lücke zwischen operativem Geschäft und Marketing noch halbwegs schließen können, scheitern sie häufig daran, die feinen Details der Datenanalyse richtig zu deuten. Effektive Datenauswertung ist eine hochspezialisierte Kompetenz und setzt eine Person voraus, die über spezielle Erfahrungen verfügt und besonders geschult ist.

Die mangelnde Fähigkeit zur Analyse ist der entscheidende Faktor. Untersuchungen des IT-Magazins Computing haben ergeben, dass zwar 26 Prozent der Unternehmen bereits cloudbasierte Big-Data-Dienste einsetzen oder dies planen, doch nur 13 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über das notwendige Knowhow.

Es gibt einige Initiativen, um die Lücke in der Datenanalyse zu schließen. Eine davon ist die European Data Science Academy (EDSA), geführt von der britischen Open University, an der sich eine Reihe von akademischen Institutionen beteiligen. Die EDSA wird dazu beitragen, die Nachfrage nach Datenwissenschaftlern in der Zukunft zu decken. Doch die Unternehmen müssen schon heute das Optimum aus ihren Geschäftsdaten herausziehen. Benötigt auch Ihr Unternehmen einen neuen "Chief Data Officer"? Könnte die Ernennung eines Datenverantwortlichen auf Vorstandsebene in Ihrem Unternehmen die Wichtigkeit der Informationsauswertung unterstreichen?

Die Personalie allein wird sicherlich nicht direkt zu einer Änderung der Unternehmenskultur führen. Um dies zu verwirklichen, müssen Unternehmen den Wandel in der gesamten Organisation fördern. Dies könnte zum Beispiel durch ein Datenlabor in Form eines "Spin Out" innerhalb des Unternehmens geschehen. Beispiele hierfür sind die Initiative der Handelskette Ocado oder die "Connected Homes"-Aktion von British Gas. Diese separaten Einheiten können Anwendbarkeit und Nutzen für das gesamte Unternehmen quasi unter Laborbedingungen testen.

Die IT-Leiter können einige der Verantwortlichkeiten eines Datenverantwortlichen übernehmen, brauchen dazu aber Unterstützung. Sie benötigen einen Stellvertreter, dem sie vertrauen können und der den Wandel des Unternehmens in Sachen Datenkultur zu leiten vermag. Dann sollte man auch über einen Assistenten nachdenken, der bei den täglichen organisatorischen Aufgaben in der IT helfen kann.

Um zu beweisen, welch hohen Wert Daten für das Unternehmen haben, sollte man klein beginnen, viel experimentieren und sich durch Erfolge allmählich die Unterstützung der Unternehmensführung sichern. Jemand aus der Führungsriege, am besten der Geschäftsführer, sollte sich als Anführer dieser neuen Datenkultur präsentieren. Durch eine solche Unterstützung werden die Mitarbeiter im gesamten Unternehmen schnell erkennen, wie wichtig Daten sind, um einen präziseren Einblick in die gewinnträchtigen Geschäftsabläufe zu bekommen und wie dadurch das Unternehmen seine Kunden auf neue und überraschende Weise bedienen kann. Eine neue Führungskraft auf Vorstandsebene ist nicht immer die richtige Antwort.