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Sollte man einen Schritt zurück machen und sich der Bedeutung des IT-Leiters bewusst werden?

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Die Technik wurde im Vergleich zu den angeseheneren Geschäftsbereichen oft als das Stiefkind der Unternehmensfamilie behandelt. Während Finanzen, Marketing und Produktion schon längst ihre Ehrenplätze an der Tafel eingenommen hatten, schuftete die Technik immer noch in der Küche – um beim Bild zu bleiben.

Den IT-Verantwortlichen scheint oft ein Sitz im Vorstand verwehrt zu bleiben. Harvey Nash, Fachmann in Personalfragen, sagt, dass nur knapp ein Drittel (32 Prozent) der CIOs direkt an die Geschäftsführung berichten. Diese Nichtbeachtung führt dazu, dass die IT-Leiter nur schwer einen Beitrag zur Unternehmensstrategie leisten können.

Die offensichtliche Geringschätzung der CIOs erscheint merkwürdig in Zeiten, in denen der Technik in allen Bereichen eine fundamentale Rolle zukommt, wenn es um den Unternehmenserfolg geht. Wenn ein IT-Leiter Geld für einen neuen Server fordert, dann wird das auch heute noch als bloße Kosten angesehen und nicht als eine Chance, die Rentabilität des Unternehmens zu steigern. Doch die IT ist heute in vielen Unternehmen zu einem wichtigen Profitcenter geworden – warum wird sie immer noch als reine Kostenstelle behandelt?

Eine mögliche Erklärung für diese Diskrepanz ist die Zunahme der Schatten-IT, bei der Nicht-IT-Mitarbeiter ihre eigenen technischen Lösungen für die geschäftliche Arbeiten nutzen. Je besser sich die Arbeitnehmer mit Apps und modenen Geräten im täglichen Leben auskennen, je häufiger werden sie Ansprechpartner in Situationen, in denen die konventionelle IT eher hinderlich scheint. Der Erfolg von Cloud-Diensten und mobilen Apps bedeutet auch, dass die Mitarbeiter einfach preiswerte oder sogar kostenfreie Dienste bei Bedarf auch geschäftlich nutzen, manchmal auch ohne Freigabe durch die technische Leitung.

Diese problematische Grauzone stellt für die IT-Führung eine echte Herausforderung dar. Nach Meinung des Wissenschaftlers Vanson Bourne geben mehr als drei Viertel (76 Prozent) der CIOs an, dass innerhalb ihrer eigenen Unternehmen Produkte ohne Beteiligung der IT beschafft und betrieben werden. Es wird geschätzt, dass insgesamt bis zu einem Viertel der Technologieausgaben an der IT-Abteilung vorbei investiert werden. Das Analyseunternehmen Gartner prophezeit sogar, dass bis 2017 die Marketingabteilungen mehr in Technik investieren werden als die IT.

Diese Dezentralisierung setzt ein großes Fragezeichen vor die Zukunft der IT-Leiter. Wenn schon die normalen Mitarbeiter in den einzelnen Abteilungen ihre eigenen Dienstleistungen und Systeme einkaufen, dann stellt sich die Frage, warum man eine Führungskraft benötigt, die sich um IT-Beschaffung kümmert? Wenn man dann noch den Aufstieg von Chief Digital und Data Officers berücksichtigt, wird deutlich, dass die IT-Leiter von allen Seiten unter Druck stehen.

Doch die Hoffnung lebt.

Es gibt Anzeichen dafür, dass die Unternehmen endlich beginnen, die Rolle der IT ernst zu nehmen. In den Führungsriegen setzt sich auf breiter Front die Erkenntnis durch, dass die IT beim technologischen Wandel der Unternehmen eine wichtige Rolle spielt. Von der Unterstützung der Produktivität bis hin zur intelligenten Erfassung und Auswertung von Daten, die wichtig sind für Zukunftsentscheidungen, steht die IT im Mittelpunkt.

Diese neue Wahrnehmung muss begleitet werden durch eine Aufwertung der Position des IT-Leiters. Obwohl der dezentrale Einkauf immer stärker wird, ist der CIO derjenige aus der Führungsspitze, der die Bedeutung von Technik für moderne Unternehmen am besten einschätzen kann. Die CIOs haben viele Jahre mit der Integration von Plattformen zugebracht, haben sich der Steuerung von Prozessen gewidmet und Roadmaps erstellt für die optimale Nutzung der IT in Unternehmen.

Das Tempo des technologischen Wandels beschleunigt sich weiter, doch die eine Konstante, zumindest in der Führungsspitze, bleibt – der CIO. Je mehr sich das "Digitale" durchsetzt, umso wichtiger ist es, dass sich die Unternehmen die Erfahrung ihrer IT-Leiter im Wandlungsprozess zunutze machen.

Gartner zeigt, dass erfolgreiche Unternehmen dazu tendieren, technische Positionen überproportional zu besetzen, beispielsweise solche, die Technik, Innovation und Risikomanagement abdecken. Dies ist die Gelegenheit für CIOs hervorzutreten und offensiv die Verantwortung für diese Bereiche zu übernehmen. Doch damit nicht genug.

Damit die Position des CIOs wirklich neu bewertet wird, müssen sie für ihre eigene Karriere mehr Verantwortung übernehmen, besonders im Hinblick darauf, wie sie von den übrigen Mitarbeitern im Unternehmen wahrgenommen werden. Es ist an der Zeit, dass CIOs sich nicht nur darum kümmern, dass das Tagesgeschäft läuft, sondern sie müssen beweisen, dass sie als Multitalent den Wandel im Unternehmen wirklich voran bringen können.

Damit wurde sicherlich ein Wendepunkt erreicht. IT-Leiter müssen die Rolle des objektiven Innovationsführers übernehmen und beweisen, dass niemand die Bedeutung der Technik für das kommende Jahrzehnt besser kennt als sie. Indem sie technische Innovationen positiv begleiten, sichern sie ihr Überleben und Wohlergehen.



[References]

Gartner on the growth of the CDO role:
http://www.gartner.com/newsroom/id/2208015

Examples of companies with CDOs:
http://www.digitaltransformationbook.com/15-companies-chief-digital-officer/

The rise and fall of the CDO:
http://www.computerweekly.com/feature/Chief-Data-and-Digital-Officers-rise-to-threaten-the-CIO

Forrester on the demise of the CDO:
http://www.zdnet.com/article/forrester-warns-cdos-dont-expect-career-longevity/