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Ist Wandel die neue Normalität?

  • Gepostet vor 1 Jahr
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Wir leben in einem ständigen Wandel. Praktisch alles, was wir in der technisierten Welt wissen und benutzen, ändert sich so schnell, dass es schon eine große Herausforderung ist, mit einer gewissen Sicherheit die nähere Zukunft zu planen.

Das Zusammenwirken vieler Faktoren, sowohl wirtschaftlicher, digitaler als auch sozialer Art, erzeugt dieses Zeitalter des Wandels. Der wirtschaftliche Abschwung nach 2008 hat traditionelle ökonomische Modelle ins Wanken gebracht und führte zum Niedergang von etablierten Finanzinstituten und hoch angesehenen Markennamen.

Unternehmer setzten schnell auf digitale Technologien, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Von der IT befeuerte Innovationen – die schon die verkrusteten Hierarchien in der Medienwelt, z.B. bei Zeitungen und im Musiksektor, in Frage gestellt hatten – breiteten sich auf andere Branchen aus.

Unternehmen wie Uber und Airbnb verwendeten innovative Software-Plattformen, um qualitativ hochwertige Kundenerlebnisse anbieten zu können. Der Wert dieser Unternehmen stieg enorm, obwohl sie keine physikalischen Güter wie eine große Autoflotte oder weltweite Hotelketten vorzeigen konnten.

Auch die Technikbranche selbst änderte sich. Anstatt mit einer kleinen Anzahl von Lieferanten auf Basis langfristiger Outsourcing-Verträge zusammenzuarbeiten, konnten die Verantwortlichen bei der IT-Beschaffung nun einen anderen Ansatz verfolgen, der sich auf die Nutzung von vielen kleineren cloudbasierten Anbietern stützte.

Nach einer Zeit des stürmischen wirtschaftlichen und technologischen Umbruchs ist eine Wirtschaftswelt entstanden, in der Wandel die neue Normalität ist. Die Einstiegshürden liegen heute so niedrig, dass keine Branche mehr gegen plötzliche Veränderungsprozesse immun ist. Dies zwingt IT-Führungskräfte zu mehr Wachsamkeit in Bezug auf neue Trends und Chancen und erfordert schnelleres Handeln als jemals zuvor.

Es ist nicht leicht, eine Strategie zu entwickeln, mit der man auf diese Tendenzen reagieren kann. Die Führungskräfte müssen sehr flexibel und einfühlsam sein und ständig wachsam kontrollieren, dass ihr Vorsprung nicht schmilzt, während sie auch weiterhin nach vorne blicken müssen, um sich neue Wettbewerbsvorteile zu erschließen.

Anstatt sich auf die Forderungen der internen Anwender zu konzentrieren, sollten sich die Führungskräfte nach der Meinung der Kunden richten. Sie müssen realisieren, dass wir am Beginn des – wie es das Forschungsinstitut Forrester nennt – "Zeitalters des Kunden" stehen, in dem die Erwartungen rund um den Service und das Kauferlebnis hoch gesteckt sind.

Einer Studie von Forrester Research im Auftrag von Canon zufolge stellen führende Unternehmen fest, dass das Kundenerlebnis ein immer wichtigerer Unterscheidungsfaktor wird. 51 Prozent der Führungskräfte sehen Kundenzufriedenheit als eines der Hauptkriterien bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung für anstehende Kommunikationskanäle und -techniken an, doch die meisten Unternehmen glauben, dass interne unternehmerische Einschränkungen dem entgegen stehen.

Führungskräfte müssen einen Mechanismus zur Bewältigung dieser ständigen Veränderungsprozesse entwickeln. Forrester sagt voraus, dass sich die Strukturen, Partnerschaften und Geschäftsmodelle weiter in dem Maße ändern, in dem sich die Unternehmen entwickeln und wachsen. Um eine systematischen Verbesserung des Kundenerlebnisses zu erreichen, raten die Forscher, dass die Führungskräfte lernen müssen, über ein komplexes System von Partnern, sowohl intern als auch extern, zu wachen.

Es wird eine schwierige Aufgabe bleiben, ein Unternehmen erfolgreich durch den Wandel zu führen. Aber es ist eine Prüfung, die die Verantwortlichen annehmen müssen. Denn wenn es um den digitalen Wandel geht, ist der Geist längst aus der Flasche – und die Führungskräfte müssen lernen, das Unerwartete zu erwarten.