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Ist es an der Zeit, etwas gegen die "Vorstandslücke" zu tun?

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In den letzten Jahren hat es eine auffallende Zunahme an neuen Vorstandstiteln gegeben. Vom CCO (Chief Customer Officer – dem Kundenverantwortlichen) bis zum Chief Digital und den Chief Data Officer (CDO – dem Datenverantwortlichen) spiegelt dieser Trend die Verunsicherung und die Ängste gegenüber Big Data, intelligenter Analyse und dem Anbeginn des Kundenzeitalters wieder. Inzwischen weiß jeder, dass sich in diesen neuen Geschäftsfeldern enorme Chancen auftun. Indem durch die Verbesserung der Qualität die Kosten gesenkt werden, sind Daten die willkommenen Freunde der Unternehmer. Gleichermaßen spielt die erneute Ausrichtung auf das Kundenerlebnis, sowohl aus Sicht der Geschäftskunden als auch der Endkunden, eine enorme Rolle beim belebenden Wettbewerb in der Geschäftswelt. Doch viele Unternehmen sind darauf noch nicht vorbereitet.

Sind neue Positionen in der Vorstandsetage die Antwort auf diese neuen Trends? Dies hängt weitgehend von der Existenz und der Größe der Qualifikationslücke in Ihrem Unternehmen ab.

So werden die meisten Unternehmen, die ihre IT und ihr Marketing bereits eng verzahnt haben, keinen CDO benötigen, um grundlegende Fähigkeiten zur Datenverwaltung zu entwickeln. Ebenso bedarf es keines Datenverantwortlichen, damit Analysemethoden in einem Unternehmen Wurzeln schlagen. Dazu wäre es sicher besser, die Unternehmenskultur anders auszurichten, als eine neue Person im Vorstand zu installieren.

Obwohl fast alle Unternehmen einen Verantwortlichen für die Kundenzufriedenheit benennen müssen, werden nicht alle die Mittel aufbringen wollen, dafür einen neuen Vorstandsposten zu installieren. In vielen Unternehmen liegt die Verantwortung für die Kundenzufriedenheit bei einem Verantwortlichen aus dem Marketing (z.B. dem Marketingleiter). Einige bedeutende Unternehmen wie zum Beispiel Disney World brauchen keinen Kundenverantwortlichen im Vorstand, weil die Bedeutung des Kunden so tief in ihrer Firmenphilosophie verankert ist. Mit anderen Worten, die Relevanz größerer Veränderungen in der Wirtschaft muss sich nicht immer in neuen Posten wiederspiegeln. Manchmal reicht eine neue Art zu denken aus.

Wann ist es dann aber Zeit, etwas gegen die "Vorstandslücke" zu tun? Der Posten eines Topmanagers, wie z.B. CDO oder CCO, wird nur dann notwendig, wenn ein Unternehmen über den langfristigen Umgang mit Daten, digitaler Technik oder Kundenzufriedenheit nachdenkt und die dafür notwendigen organisatorischen Fähigkeiten aufbauen möchte. Dabei sollte man nicht so sehr darüber grübeln, wie man die neuen Trends wirksam verwaltet, sondern wie man sie einsetzt, damit sie das Unternehmen in seiner Entwicklung unterstützen: Wie helfen uns die Daten, Dinge zu tun, die einst für uns unmöglich waren? Was möchten die Kunden als Nächstes? Die Einrichtung eines neuen Vorstandspostens muss nicht der erste Schritt in diesem Prozess sein, aber er könnte der abschließende sein.