BUSINESS BYTES

Gemeinsame Projekte können Misstrauen beseitigen

  • Gepostet vor 3 Jahren
  • 2 Minuten Lesezeit

Das digitale Zeitalter hat auch innerhalb der Führungsriege alles verändert. Für das Jahr 2017 sagt Gartner voraus: Aufgrund der zunehmenden Bedeutung von Kundenmeinungen und digitaler Kundenausrichtung wird die Marketingabteilung mehr IT- und Datenanalyseprojekte verantworten als die IT-Abteilung. Jedoch hat IBM festgestellt, dass sich 70 Prozent der Marketingleiter auf die höhere Verantwortung, die mit Daten und Informationsverarbeitung einhergehen, nicht richtig vorbereitet fühlen.


Angesichts des rapiden technischen Fortschritts sollte man annehmen, dass ein neuer Geist der Zusammenarbeit entstanden ist. Doch das Gegenteil ist der Fall; Accenture nennt es den "CMO-CIO Disconnect": Marketing- und IT-Abteilung kochen jeweils ihr eigenes Süppchen.


Was ist der Grund dafür? Es herrscht ein tiefes gegenseitiges Misstrauen. Das Marketing denkt, die ITler seien viel zu unflexibel, und möchte deshalb keine Projekte abgeben. Die ITler hingegen glauben, dass das Marketing sie nicht in strategische Fragen einweihen möchte, sondern sie nur als EDV-Bereitsteller betrachtet und nicht als aktiven Partner in einer fruchtbaren Zusammenarbeit. Wie kann ein Unternehmen diese Kluft zwischen Marketing und IT überbrücken?


Eine Lösung können gemeinsam finanzierte Projekte darstellen, wie das Beispiel von Adobe zeigt. Um die Kundenbedürfnisse besser kennen zu lernen, startete das Unternehmen ein Projekt mit Mitarbeitern aus beiden Abteilungen, das zudem auch noch zu gleichen Teilen gemeinsam finanziert wurde. Den Teilnehmern war von Anfang an klar, dass sie nun Mitglieder eines neuen Teams waren und andere Positionen bekleideten als vorher. Auch mussten sie gemeinsam sowohl an die IT- als auch die Marketingabteilung berichten. Die Zusammenarbeit war gekennzeichnet durch definierte Zielvorgaben und einen Zeitplan, der eingehalten werden musste.  Nach Ende des Projekts kehrten all Beteiligten in ihre ursprünglichen Positionen in den jeweiligen Abteilungen zurück. 


Gemeinsam finanzierte Projekte stellen so eine großartige Möglichkeit dar, das Beste aus beiden Welten herauszuholen, ohne den Zwang, eine Stelle in eine andere überführen oder zusätzliche Mitarbeiter einstellen zu müssen, um mögliche Kompetenzlücken zu füllen. Doch benötigen Gemeinschaftsprojekte entsprechende Stellenbeschreibungen und die verbindliche Zuweisung von Verantwortung. Es wäre unrealistisch zu erwarten, dass zwei völlig unterschiedliche Funktionen sich nahtlos einbinden lassen, ohne dass vorher die Rollen klar verteilt wurden. Der Fokus der IT liegt darauf, die Verantwortung für das Datenhandling und die Datenrichtlinien zu bewahren, während die Kundendaten im Hoheitsbereich des Marketing liegen.


Niemand behauptet, dass es leicht ist, Marketing und IT zusammenzubringen, doch es ist der einzige Weg für ein Unternehmen, wirklich von der Nutzung der Kundendaten zu profitieren. Im Sinne derer, die schon frühzeitig in dieser Richtung aktiv geworden sind, ist die Botschaft klar. Es geht um gegenseitigen Respekt. Man muss die Projekte zu gleichen Teilen finanziert starten, die Verantwortlichkeiten klar definieren, wenn künftige Konflikte vermieden werden sollen. Wenn Ihr Unternehmen das nächste Mal ein Projekt angeht, in dem die Erfahrung sowohl der IT- und als auch der Marketingabteilung benötigt wird, sollte dies der "Beginn einer wundervollen Freundschaft" sein. Allerdings mit klar definierten Rollen und Verantwortungen.