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Was kommt nach dem CDO?

  • Gepostet vor 1 Jahr
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Die Sprache der IT-Branche ist einem ständigen Wandel unterworfen. Neue Konzepte werden erst reißerisch hochgejubelt, um sie kurz darauf verbal niederzumachen, und die Industrie prägt zu jedem neuen Trend die passenden Schlagwörter. Diese Praxis wird nicht nur auf die Werkzeuge und Techniken angewandt, sondern ebenso, um die Veränderungen in der IT-Führung zu beschreiben.

Nehmen wir beispielsweise die Rolle des Chief Digital Officer (CDO). Diese Stellenbezeichnung wurde vor drei oder vier Jahren mit großem Hype eingeführt. Gartner orakelte, dass der CDO "wohl zur aufregendsten strategischen Führungskraft der kommenden Dekade" werden würde. Der Analyst prognostizierte, dass 25 Prozent der Unternehmen bis 2015 einen CDO haben werden.

Nun, wie sah es mit dieser Vorhersage aus? Die angemessene Antwort auf diese Frage wäre wahrscheinlich "ziemlich gemischt". Beispiele von CDOs in großen Firmen lassen sich leicht finden. Big Player wie McDonald's, General Electric und Renault profitieren stark von den CDOs vor Ort. Diese Führungskräfte nutzen Technologie und Innovation zur Steigerung des Kundenerlebnis. Starbucks ist beispielsweise berühmt für den Einsatz von Apps in Verbindung mit seinen erfolgreichen Kundenbindungsmaßnahmen. Der Guardian hat mittlerweile ein Produktteam installiert, dass die Möglichkeiten rund um Daten und deren Analyse ausloten soll.

Dennoch bleibt trotz all dieser Erfolgsgeschichten eine quälende Befürchtung, nämlich dass die Position des CDO einfach ein weiterer Technologie-Hype bleiben könnte. Einerseits beginnen die CIOs damit, die Bedeutung der Position offen in Frage zu stellen, und verweisen dabei auf die Tatsache, dass sie selbst bereits den Wandel durch digitale Technik voran treiben.

Pessimisten könnten diese Offensive der CIOs als Ergebnis des Wettbewerbs um die IT-Führerschaft bewerten. Denn es gibt durchaus Tendenzen, dass die CIOs die Kontrolle über die Technologiebeschaffung verlieren könnten. Der Analyst Forrester beschleunigt den Bedeutungsverlust des CDO, indem sie fordern, in den Unternehmensführungen keine weiteren Chefs zu installieren.

Für einige CIOs könnte sich dieser Handlungsaufruf als schwierige Aufgabe herausstellen. Viele IT-Verantwortliche konzentrieren sich noch zu sehr auf operative Belange. Sie sind durch die täglichen Aufgaben bei der Führung einer IT-Abteilung zu stark gebunden. Eigentlich sollten Sie sich viel stärker – nämlich zu 70 oder 80 Prozent – mit kundenorientierten Innovationen beschäftigen. Doch die CIOs müssen sich dieser Herausforderung offensiv stellen. IT-Führungskräfte, die nicht erkennen können oder wollen, warum CDOs, geschweige denn Marketingleiter oder Datenfachleute, so rasant an Bedeutung gewonnen haben, könnten sehr schnell selbst aufs Abstellgleis geraten. IT-Leistungen können heute schon in großen Teilen als Service eingekauft werden, so dass CIOs bald nur noch eine interne Technikabteilung zu verwalten haben.

Jedoch die CIOs, die den Wandel positiv begrüßen, können auf ihre langjährige Erfahrung zurückgreifen und unter Beweis stellen, wie man mit digitaler Technik den entscheidenden Mehrwert für das Unternehmen realisiert. Da solche Projekte innerhalb der gewohnten Geschäftsprozesse mitlaufen können, wird die Notwendigkeit für einen CDO sicherlich abnehmen.

Der Verantwortliche, der am ehesten geeignet ist, die digitale Agenda zu führen, ist der CIO – die Person, die noch vor kurzem befürchten musste, dass durch "All-Things-Digital" ihre eigene Führungsrolle sterben könnte.



[References]

Gartner on the growth of the CDO role:
http://www.gartner.com/newsroom/id/2208015

Examples of companies with CDOs:
http://www.digitaltransformationbook.com/15-companies-chief-digital-officer/

The rise and fall of the CDO:
http://www.computerweekly.com/feature/Chief-Data-and-Digital-Officers-rise-to-threaten-the-CIO

Forrester on the demise of the CDO:
http://www.zdnet.com/article/forrester-warns-cdos-dont-expect-career-longevity/