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Druckerei und Verlag: Gemeinsam geht's besser

Warum Zusammenarbeit entscheidend für die Zukunft der Buchproduktion ist

Four smiling people sitting around a desk. A woman passing a man a piece of paper.

Zusammenarbeit für mehr Innovation

Sich ändernde Kaufgewohnheiten bei Büchern, Marktumbrüche und der zunehmende E-Commerce fordern Verlage und Buchdrucker heraus. Bücher müssen flexibler und schneller als je zuvor produziert und geliefert werden – und das bei niedrigeren Kosten und gleicher Produktqualität. Während die Nachfrage nach gedruckten Bücher stabil ist, haben sich die wirtschaftlichen Bedingungen bei der Buchproduktion grundlegend geändert.

Analoge Offset-Produktionsmethoden waren ideal zur Herstellung großer Auflagen einzelner Titel, doch angesichts der heutigen Anforderungen werden sie immer ineffizienter. Die digitale Produktionstechnik ermöglicht nahtloses, schnelles Drucken und Weiterverarbeiten von Büchern in Kleinauflage oder sogar als Einzelexemplar. Dieser technische Wandel ermutigt Verleger und Drucker, ihre Arbeitsweise neu zu überdenken.

Der kommerzielle Erfolg der Buchdrucker war traditionell eng mit dem ihrer Kunden aus dem Verlagswesen verknüpft. Lief das Buchgeschäft gut, wurde auch mehr gedruckt und der Umsatz wuchs. In der neuen Welt des Publizierens geht es wie in den meisten Content-Branchen weniger um hohe Volumen als darum, Lösungen zu entwickeln, die den sich ändernden Verbrauchergewohnheiten Rechnung tragen und individuelle Einkaufserlebnisse unterstützen.

Wandel ist konstant. Die Zukunft des Publizierens vollzieht sich mit Sicherheit auf mehreren Plattformen – schon heute zeigt sich der Erfolg bei Formaten wie Audiobüchern und sog. Fiction-Apps. Das gedruckte Buch wird künftig wahrscheinlich nur noch ein Element auf einer Customer Journey sein, bei der Inhalte in verschiedenen Formaten und auf verschiedenen Geräten konsumiert werden. Wir nennen das „Smartbook“.

Open books placed in pattern

Planen Sie den Wandel mit Weitsicht

Diese Publishing-Trends verändern die Dynamik der Lieferkette. Zur Zukunftssicherung, muss man einen grundlegenden Wandel vollziehen. Der Buchdrucker darf nicht länger nur Auftragnehmer sein. Vielmehr muss ein „Experten-Dreieck“ gebildet werden, in dem Verleger, Buchdrucker und Technologiepartner Hand in Hand arbeiten, um neue Geschäftsmodelle und Strategien für den Erfolg zu entwickeln.

Die für Verleger kritischen Faktoren drehen sich allesamt um die Bereiche Planung und Kosten. Die Verlagshäuser haben in der Vergangenheit die Auflagen stets auf der Basis von Verkaufsprognosen kalkuliert und mussten im Falle von Fehleinschätzungen die Kosten tragen. Die Frage war: Geht man das Risiko ein, hohe Auflagen zu produzieren, um dann bei Misserfolg die Übermengen zu schreddern? Oder geht man auf Nummer sicher, druckt kleinere Chargen, läuft dann aber Gefahr, bei unerwartet hoher Nachfrage nicht liefern zu können?

Alte Erfahrungswerte sind längst keine sicheren Indizien mehr dafür, wie erfolgreich ein Titel sich präsentieren wird. Dadurch wird jede verlegerische Entscheidung zum wirtschaftlichen Risiko. Umso wichtiger ist es für Buchdrucker, digital zu denken und die treibende Kraft bei digitalen Innovationen zu sein. Veränderungen müssen vorausschauend geplant werden, anstatt nur nach den Anweisungen des Verlegers zu handeln.

Die Digitaldrucktechnologie kann dabei der Schlüssel sein, aber nur, wenn Buchdrucker die maßgeblichen Entwicklungen im Verlagsgeschäft richtig verstehen. Druckereien, unterstützt von ihren Technologiepartnern, müssen das Bewusstsein ihrer Kunden dafür schärfen, wie Innovationen in der Produktions- und Workflow-Automatisierung Veränderungen und damit positive wirtschaftliche Auswirkungen ermöglichen.

Books on a bookshelf

Neue Geschäftsmodelle, neue Chancen

Wir, bei Canon, sehen drei Geschäftsmodelle, die sich durch die digitale Produktionstechnik auftun:

  • Druck kleiner Auflagen
  • Buchlebenszyklus-Management (BLM)
  • On-Demand-Produktion
Verlage und Drucker können je nach Marktentwicklung von einem Modell zum nächsten wechseln und so eine solide Grundlage für die plattformübergreifende Zukunft des „Smartbook“ schaffen.

Es gilt, auf sinkende Auflagen und höhere Auftragsfrequenzen zu reagieren, indem man den Offsetdruck um die digitale Produktion für kleinere Auflagen ergänzt. Der dafür notwendige Grad der Prozessintegration ist niedrig, und Druckereien können dies unabhängig von ihren Verlagskunden realisieren. Es geht im Wesentlichen darum, der Offsetproduktion digitale Funktionen hinzuzufügen.

Der Zeitpunkt ist ideal, um mit Verlegern ins Gespräch zu kommen und ihnen die Vorteile dieser digitalen Investition zu kommunizieren – kürzere Lieferzeiten, schnellere Markteinführungszeiten, Einsparungen bei Lagerung und Vertrieb. Dieser Austausch hat zudem den Vorteil, dass Druckereien wertvolle Informationen aus Sicht der Verlage erhalten: Mit welchem Auflagenrückgang rechnen diese innerhalb bestimmter Zeiträume?

Der Dialog wird klare Hinweise liefern, wie sich die Nachfrage für Kleinauflagen entwickeln wird. Dies kann für die Investitionsplanung der Druckerei sehr hilfreich sein und möglicherweise signalisieren, dass Bedarf an weiterer Automatisierung, z.B. Online-Bestellung, besteht. Letztlich könnte dieser Austausch aufzeigen, dass die nächste Stufe des Geschäftsmodells „Buchlebenszyklus-Management“ erreicht werden muss.



Verlage und Druckereien können je nach Marktentwicklung von Kleinauflagen über das Buchlebenszyklus-Management zu On-Demand übergehen und so eine solide Grundlage für die Zukunft des Smartbooks schaffen.

A man and two women looking at a laptop screen

Neue Ebenen der Integration

Buchlebenszyklus-Management (BLM) erfordert eine weitaus engere Zusammenarbeit zwischen Druckern und Verlegern. Im Grunde handelt es sich um eine strategische Partnerschaft, um Risiken im Verkauf zu minimieren und den Umsatz zu steigern, indem die Produktion an die aktuelle Nachfrage angepasst wird. BLM beinhaltet die Integration von Lagerauffüllsystemen, damit Änderungen in den aktuellen Lagerbestands- und Auftragsdaten in Echtzeit die Produktion auszulösen können.

Dies hebt die Kommunikation zwischen Druckerei und Verlag auf eine völlig neue Entscheidungsebene, was ein gewisses Maß an Transparenz bei Unternehmensinformationen wie Bestandsverwaltung, Ressourcenplanung usw. erfordert, die es in der Geschäftsbeziehung vorher nicht gab. (Dies kann auch auf die Notwendigkeit neuer Prozessmanagement- und technischer Fähigkeiten im Druckgeschäft hinweisen).

Die Wandlung hin zu einem vollständigen On-Demand-Modell wird die Partnerschaft weiter intensivieren. Die On-Demand-Produktion kommt ganz ohne das Sicherheitsnetz von Druckbeständen aus; ein Drucklauf wird stets nur durch eine aktuelle Bestellung ausgelöst. Daher sind nahtlose, stark automatisierte Arbeitsabläufe zwischen Verlagen und Druckereien erforderlich, die von ebenso wasserdichten Servicevereinbarungen zwischen allen Beteiligten der Lieferkette unterstützt werden müssen.

Dieses Modell stellt auch für die konventionellen Methoden zur Kostenanalyse zwischen Verleger und Drucker eine große Herausforderung dar. Ein On-Demand hergestelltes Buch hat höhere anfängliche Stückkosten bei Herstellung und Versand, doch die Gesamtkosten über die Lebensdauer des Titels reduzieren sich, wenn die Kosten entlang der Lieferkette berücksichtigt werden – Lagerung, Handling, Remittenden, Logistik usw.

Das Zeitalter der kollaborativen Innovation

Wechselvolle Zeiten erfordern neue Arbeitsweisen. Traditionelle Lieferketten werden zu komplexen Ökosystemen mit mehreren Lösungsanbietern, die nach Just-In-Time-Prinzipien zusammenarbeiten. Die Fehlertoleranz ist gering, die Glieder der Kette sind voneinander abhängig und setzen robuste Prozesse und weitestgehende Systemintegration voraus. Nie war der Bedarf nach offener Kommunikation und innovativer Zusammenarbeit größer.

Verfasst von Tino Wägelein, Business Development Manager, Canon Europe


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