Richard Walch - EOS-1D X Mark II

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Richard Walch

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Mit der EOS-1D X Mark II kreativ werden

Bei der EOS-1D X Mark II wurden zahlreiche Funktionen des bahnbrechenden Vorgänger-Modells verbessert und neue Technologien hinzugefügt. Aber wie wirkt sich das alles zu Gunsten besserer Bilder aus? Richard Walch, einer der ersten Profi-Fotografen, der diese Kamera in seinem Aufnahmealltag testen konnte, teilt uns seine Erfahrungen mit.

Momentan gibt es nicht viele Fotografen, die so viel über die neue EOS-1D X Mark II wissen wie Richard Walch. Der in Deutschland geborene Wintersport- und Motorsport-Fotograf arbeitet seit nunmehr vier Jahre als Ambassador mit Canon zusammen und hat auch für die Entwicklung dieser Kamera wichtigen Input geliefert.

„Es war auf der Visa pour l'Image in Perpignan, als wir mit Canon das Roundtable-Gespräch führten“, erinnert sich Walch und denkt dabei an das Jahr 2013 zurück. „Ich führte dabei vor, wie man aus einer 4K-Aufnahme von der EOS-1D C Einzelbilder extrahieren kann und wir alle stimmten überein, dass dies mit einer neuen Kamera der EOS-1D X Serie auch möglich sein sollte – nur einfacher. Ich erwähnte auch, dass man die selbe AF-Nachführung bei Videoaufnahmen wie bei einer EOS 70D haben müsste. Und dass sich alles über ein Mobilgerät steuern lassen sollte. Das ist jetzt alles Bestandteil der EOS-1D X Mark II – und natürlich noch viel mehr.

„Es ist sehr erfreulich, wenn man merkt, wie gut die Canon Ingenieure zuhören, was Endnutzer brauchen. Es ist nie nur eine Einzelperson, die so eine Idee einbringt, sondern sie hören, wie der selbe Gedanke von verschiedenen Menschen in Europa, Japan und den USA ausgesprochen wird und sie nehmen das auf. Der Wunsch zu wissen, in welche Richtung es gehen soll: zum Beispiel mehr Pixel oder mehr Dynamikumfang? Sie sagen: ‚Wir können leider nicht alles gleichzeitig machen, aber was glauben Sie, in welche Richtung wir gehen sollen?‘ Das ist eine sehr offene und ehrliche Art zu arbeiten und ich denke, das erfordert auch viel Vertrauen.“

Erste Eindrücke

Richard meint, dass diejenigen, die bereits mit einer EOS-1D X oder EOS-1D C gearbeitet haben, sofort mit der neuen EOS-1D X Mark II loslegen können, auch wenn man dann so einiges verpassen würde. „Alles was man kennt, ist immer noch da und praktisch am selben Ort zu finden. Aber wenn das alles ist, was man tut, dann verpasst man all die anderen tollen neuen Dinge, die sie kann.“ kichert er. „Ich denke, die EOS-1D X Mark II lässt sich am besten zusammenfassend so beschreiben: Diese Kamera lässt einen das fotografieren, was zuvor nicht möglich war. In den persönlichen Extremsituation kreativ arbeiten können.

„Wenn man beispielsweise die schnellsten AF- und Serienbilder-Geschwindigkeiten nutzen möchte, die momentan verfügbar sind und damit ein ganz neues kreatives Niveau erreichen will, dann wird man mit dieser Kamera viel Freude haben. Oder wenn man alles aus hohen ISO-Einstellungen herausholen will und mehr Dynamikumfang braucht. Das ist ein komplettes Paket – ich glaube, jeder Leistungsaspekt der EOS-1D X wurde auf irgend eine Art aufgewertet.

„Für mich ist der größte Unterschied zwischen EOS-1D X Kameras und anderen DSLRs immer die Reaktionsgeschwindigkeit gewesen. Die Kamera fühlt sich einfach lebendiger in der Hand an und das kommt der Arbeit zu Gute. Sie hat sich sozusagen zu einer Art Verlängerung meines Denkens entwickelt. Sie ist sehr intuitiv zu benutzen.“

Mit Extremen arbeiten

Wenn Richard über kreative Extreme redet, dann beschreibt er, wie das „schneller, höher, besser“ der Kamera sich auf mehr Kreativität bei der Fotografie auswirkt. „Ein Beispiel dafür ist, dass wir nun mit 14 Bildern pro Sekunde fotografieren können. Das sind zwei Bilder mehr als vorher,“ sagt er und fügt hinzu, dass ihm das in vielen Situationen bei Sportaufnahmen einen echten Vorteil verschafft.

„Ich geben Ihnen mal ein Beispiel. Wenn ich Skifahren oder Snowboarden fotografiere, bin ich meist neben der Piste. Dorthin wird dann jede Menge Schnee versprüht. Ich versuche, den Moment zu erfassen, in dem die Schneefontäne am größten ist, ich aber immer noch die Skier und Stöcke sehen kann, da es ansonsten nur ein Bild von einem Kopf wird, der sich über dem Schnee befindet. Das ist so eine Situation, in der 14 Bilder pro Sekunde den Unterschied ausmachen können. Ich glaube, dass überall dort, wo Action mit einem weiteren Element zusammen kommt – so wie Wasser oder Schnee – Situationen sind, in denen hohe Bildraten eine ganz eigene Bedeutung bekommen.“

Richard erläutert, dass hohe Bildraten allein nicht genug sind, wenn die anderen Funktionen der Kamera damit nicht mithalten können – speziell der Autofokus. „Bei der EOS-1D X Mark II geht es nicht nur um diese 14 Bilder pro Sekunde, sondern um 14 Bilder pro Sekunde in Kombination mit einem verbesserten Autofokus, der viel schneller scharfstellt und den Fokus noch präziser nachführt. Diese Kombination von Funktionen ist extrem wichtig: Wenn man mit 14 B/s fotografiert, jedoch nur 10 dieser 14 Bilder scharf sind, so kann man tatsächlich nur eine Rate von 10 B/s nutzen. Aber mit dieser neuen Kamera ist jedes einzelne Bild scharf – und das ist wirklich ausschlaggebend.“

Auch bei der Datenspeicherung hat sich einiges getan: „Sie nehmen also immer mehr Bilder auf und denken sich dann ‚Wie kriege ich die gespeichert?‘ Kein Problem, denn wir können nun CFast [2.0™] Speicherkarten verwenden, die doppelt so schnell wie zuvor speichern. Wenn man eine 128-GB-Karte voller Fotos hat und die auf einen schnellen Speicher hochlädt, dann merkt man das wirklich – allein genommen wieder nur ein kleiner Vorteil, der aber im Zusammenhang das ganze Bild ergibt.“

Immer gestochen scharf

Wie auch bei anderen Kameras der EOS Serie (z. B. EOS-1D X und EOS 7D Mark II) lässt sich das AF-System der EOS-1D X Mark II so einstellen, dass es genau an die Art von Action angepasst ist, die fotografiert werden soll. Richard warnt uns, dass es extrem wichtig ist, das zu tun, um die beste Fokusleistung zu erreichen. „Man muss die AF Cases einsetzen, um das AF-Verhalten der Kamera fein einzustellen“, sagt er. „Die Cases verändern die Empfindlichkeit der Fokussierung und stellen diese so ein, dass eine konstante Beschleunigung oder eine plötzliche Veränderung von Bewegungsgeschwindigkeit oder -Richtung zu erwarten ist.

„Die Kamera ist nur dann so präzise, weil sie das bisherige Verhalten des Motivs und den ausgewählten AF Case für die Vorhersage der nächsten Situation zugrunde legt. Sie schaut also zum Beispiel auf Bild 1, Bild 2 und Bild 3 und stellt fest, dass sich das Motiv mit 110 km/h bewegt und demzufolge in einer halben Sekunde an dieser Position sein wird. Meiner Meinung nach ist es bei der EOS-1D X Mark II noch besser geworden, wie gut sie das vorhersehen kann.“

Richard erinnert sich an die Snowboard-Aufnahmen, die er mit einem der ersten Vormodelle der EOS-1D X Mark II gemacht hat. „Da waren diese vier Jungs, die aus dem Nichts auftauchten und Ihre Figuren in der Luft drehten – ganz plötzlich aus dem Nichts. Das ist eine extrem schwierige Situation für die Kamera, aber ich habe jedes einzelne Bild hinbekommen, selbst das erste. Es gibt jetzt viel mehr Kreuzsensoren bei Lichtstärke 1:8 und die Prozessorleistung wurde weiter gesteigert. Sie bekommt das einfach hin und du weißt, es wird scharf.

„Das bedeutet auch, dass man mehr kreative Risiken beim Fotografieren eingehen kann. Man kann also auf der Bahn viel weiter runter gehen und es so erscheinen lassen, als ob der Reiter oder Boarder noch höher springt, selbst wenn das bedeutet, dass man ihn noch später zu sehen bekommt und dementsprechend weniger Zeit zum Fokussieren zur Verfügung steht. Man kann einfach noch ein Stück weiter gehen, weil man weiß, dass diese Kamera die Aufnahmen hinbekommt. Man kann noch bessere Blickwinkel finden und so noch bessere Fotos machen, weil es einem die Kamera ermöglicht.“

Richard erklärt, dass in Puncto Bildqualität bei der EOS-1D X Mark II eine Entscheidung getroffen werden musste, ob man sich auf die Pixelzahl oder den Dynamikumfang konzentrieren sollte und man darüber viele Gespräche mit zahlreichen EOS-1D X Usern geführt hat. „Ich kann mich noch gut an das Roundtable-Gespräch erinnern, bei dem wir über diese Richtung sprachen und meine Kollegen und ich uns klar für den Dynamikumfang als richtigen Weg ausgesprochen haben. Für mich sind 20 Megapixel für 90 % meiner Aufnahmen ausreichend und für den Rest habe ich EOS 5DS und EOS 5DS R, die ich einsetzen kann, wenn ich mit dem Mittelformat konkurrieren muss,“ sagt er.

„Die Verbesserung im Dynamikumfang ist unmittelbar erkennbar. Mehr Details in den dunklen und hellen Bildbereichen führt zu einer konkreten Verbesserung der Bildqualität. Möglicherweise profitieren davon JPEG-Aufnahmen noch mehr als RAWs: Fotografiert man im JPEG-Format, muss es normalerweise schnell gehen und man hat nicht die Zeit, mit Tiefen/Lichter bei der Nachbearbeitung zu experimentieren. Darum glaube ich, dass die Sportfotografen sich besonders über die Verbesserung der Bildqualität bei der EOS-1D X Mark II freuen werden.“

Vielseitig bei Videos

Richard ist bekannt dafür, wie er aus 4K-Videos Fotos macht, indem er Einzelbilder mit 8 Megapixeln extrahiert. Für diesen Trick musste er bisher die EOS-1D C einsetzen, kann es aber jetzt auch mit der EOS-1D X Mark II machen. „Das geht jetzt viel einfacher“, sagt er. „Bisher musste ich das Video in die Apple Software Aperture importieren und von dort aus ein Einzelbild entnehmen – das geht nun alles kameraintern. Man muss den Film einfach nur auf der Kamera wiedergeben und so lange vor und zurück scrollen, bis man das richtige Bild gefunden hat, einen Knopf drücken und schon wird es als JPEG auf der Speicherkarte abgelegt.“

Bedeutet das, dass wir nun mit 60 Bildern pro Sekunde fotografieren können? „Im Prinzip schon, mit einigen Vorbehalten. Es reicht nicht, das perfekte Video aufzunehmen und dann zu hoffen, dass man auch das perfekte Foto hat.“ erklärt Richard. „Bei Videoaufnahmen arbeiten wir normalerweise mit einer Belichtungszeit von ca. 1/90 Sek. bei einer Bildrate von 60 B/s. Das heißt, dass alles, was sich bewegt, ein wenig verschwimmt. Das ist für Videos perfekt, weil das Auge das richtig versteht, nimmt man jedoch ein Einzelbild denkt man sofort, dass man mit 1/2.000 Sekunde hätte belichten müssen.

„Wenn man jedoch das Video an sich gar nicht braucht, kann man natürlich auch eine Belichtungszeit von 1/2.000 Sek. bei 60 B/s wählen und später ein bestimmtes Bild auswählen. Will man beispielsweise einen in das Wasser eintauchenden Vogel fotografieren, ist das eine großartige Möglichkeit, den perfekten Moment einzufangen.“

Der eher konventionelle Einsatz der Videofunktionen der EOS-1D X Mark II hat für Richard auch schon zu fantastischen Ergebnissen geführt. Er bekam dazu ein Vorserienmodell der Kamera und wir baten ihn, einen Promo-Film zu drehen, der die Videoeigenschaften der Kamera hervorhebt – ein Job, der ihm wirklich Spaß gemacht hat. „Ich hatte komplett freie Wahl und konnte filmen, was ich wollte – wirklich erstaunlich“, gibt er zu. „Letztendlich entschieden wir uns, in den Zirkus zu gehen!“

Der Film von Richard zeigt eine Live-Darbietung. Das bedeutet, dass er nicht die Artisten um Wiederholung bitten konnte, falls er etwas verpasst hatte. Diese Situation zeigte am deutlichsten, was Richard bei der EOS-1D X Mark II als „Game-Changer“ umschreibt: die AF-Schärfenachführung.

„Normalerweise hätte ich für einen solchen Job einen Focus-Puller benötigt. Das ist jemand, der neben der Kamera sitzt und sich ausschließlich auf die Fokussierung konzentriert, um sicher zu stellen, dass das Motiv während der Bewegung scharf bleibt. Aber bei dieser Aufnahme hatten wir keinen und brauchten auch keinen,weil die Kamera diesen Job ganz allein erledigt hat,“ sagt Richard.

„Sobald die Kamera ein Gesicht erkennt, oder man ein Gesicht auf dem Touchscreen antippt, führt die Kamera die Schärfe darauf nach – und passt den Fokus automatisch an. Man kann solche Pull-Fokus-Effekte auch erzielen, wenn kein Gesicht im Bild ist, indem man einfach verschiedene Bild-Objekte antippt. Was aber noch beeindruckender ist, ist die Tatsache, dass man das auch auf dem Display eines Smartphones oder Tablets machen kann, wenn man mit WLAN arbeitet. Bei den Aufnahmen zu dem Zirkusfilm konnte ich mit meinem iPad neben dem Kameramann herlaufen – und war Regisseur und Fucus-Puller in einer Person!“

Ein gutes Beispiel dafür kann man in einer ganz bestimmten Einstellung erkennen: „Es gibt eine Szene, in der wir die Wimpern einer Frau zeigen, während sie Maskara aufträgt. Eine sehr spielerische Aufnahme, die wunderschön geworden ist.

„Wieder hat die Technologie der EOS-1D X Mark II mir dabei geholfen, noch kreativer zu werden: Ich kann noch näher herangehen als zuvor und dabei noch längere Brennweiten verwenden. Ich habe mehr Freestyle-Möglichkeiten und kann mich mehr bewegen. Das gibt einem die Freiheit Dinge zu tun, die man ansonsten nicht machen würde. So kann sich beispielsweise eine Low-Budget-Produktion keinen Focus-Puller leisten und darum würden sie eine solche Aufnahme normalerweise nicht ausprobieren. Jetzt können sie das aber. Und während das hervorragend mit STM Objektiven funktioniert, die den AF besonders leise nachführen, funktioniert das auch mit normalen Objektiven.“

Einfach mehr machen

Nach dem Gespräch mit Richard über seine Erfahrungen mit der EOS-1D X Mark II ist vielleicht die beste Zusammenfassung über die Neuheiten der Kamera, dass man einfach mehr mit ihr machen kann. „Bisher haben Fotografen vielleicht gesagt ‚Ich mache nur Sportaufnahmen‘ oder ‚Ich mache nur Porträts‘, aber alle diese ‚nur‘ Einschränkungen machen es schwieriger, Arbeit zu finden. Fotografen möchten ihren Horizont erweitern und mehr Motive auf neue und interessante Arten aufnehmen. Hierfür ist es so wichtig, dass neue Funktionen wie wir sie bei der EOS-1D X Mark II sehen, eingeführt werden.

„Wir haben die Möglichkeit, noch schnellere Momente festzuhalten und unsere Kreativität noch weiter auszubauen – bei der Sport-, Natur- und Reportagefotografie. Wir können direkt von der Kamera eine noch bessere Bildqualität bekommen und unglaubliche 4K-Videos mit 60 B/s aufnehmen und das einfacher, als je zuvor – was auch jede Menge Möglichkeiten eröffnet. Mein bester Rat ist, sie auszuprobieren: Mieten Sie sich eine für ein Wochenende und finden selbst heraus, was man damit alles machen kann. Sie ist wirklich ein Komplettpaket und man muss auch das einfach so sehen.“

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