Long exposure lights

Eine leuchtende Perspektive für die Low-Light-Fotografie.

Wir haben uns mit Nige Levanterman getroffen, einem Low-Light-Fotografen, der sich darauf spezialisiert hat, die Energie einer farbenfrohen Stadtlandschaft festzuhalten. Durch den perfekten Einsatz von langen Belichtungszeiten und kontrastierenden hellen Lichtern erschafft Nige dynamisch beleuchtete Geschichten.

Lernen wir doch Nige etwas besser kennen – woher kommt deine Begeisterung für die Fotografie?

Als ich einen neuen Job in London bekam, wollte ich die Stadt erkunden und kennenlernen – also nutzte ich die Fotografie, um mehr über die Gegend zu erfahren. Damals begann ich, Bilder mit meinem Handy aufzunehmen. Allerdings wollte ich die Fotografie bei wenig Licht und mit langen Belichtungszeiten ausprobieren, und ich stieß mit einem Handy schnell an die Grenze des Machbaren. Also habe ich auf eine DSLR aufgerüstet.

Ich hatte keine formale Ausbildung. Die Grundlagen lernte ich aus YouTube-Tutorials und bin dann meinem Bauchgefühl gefolgt. Ich habe geübt und mir viel selbst beigebracht. So habe ich mich entwickelt und bin dahin gekommen, wo ich heute bin.

Was fasziniert dich an Low-Light-Aufnahmen?

Ich liebe es, Bewegungen und den Kontrast von hellen Lichtern bei Nacht aufzunehmen. Darum versuche ich, eine Szene lebendig zu machen, indem ich die Energie von Verkehr, Menschen und Farben einsetze.

Nige, du arbeitest gern mit langen Belichtungszeiten – kannst du uns erklären, wie du das machst?

Es ist ungeheuer wichtig, den richtigen Platz zum Stehen zu finden. Dieser Platz muss ein guter Blickwinkel sein, der sicher vom Verkehr entfernt ist – und gleichzeitig muss er die nötige Stabilität bieten, weil jede kleine Erschütterung die Aufnahme unscharf werden lassen kann. Beim Fotografieren von berühmten oder speziellen Plätzen musst du auch die vielen Menschen davor beachten, die das Bild stören könnten.

Für die Aufnahme solltest du die Kamera auf einem Stativ montieren, das Objektiv auf die kleinstmögliche Blende stellen und auf einen Punkt in der Mitte des Bildes fokussieren. Danach stellst du die Kamera in den Manuellen Modus und wählst eine lange Belichtungszeit (5-30 Sekunden) für die Langzeitbelichtung.

Allen, die gerade erst mit der Langzeitbelichtung anfangen, empfehle ich den Modus „Zeitautomatik“, in dem die Kamera die Hälfte der Arbeit übernimmt. In diesem Fall beginnt man mit Blende 14 und ISO 100 und lässt die Kamera die Belichtungszeit automatisch einstellen. Ist die von der Kamera ausgewählte Belichtungszeit kürzer als 30 Sekunden, wird das Ergebnis ganz ordentlich.

@Nige Levanterman

Welche Canon Ausrüstung benutzt du für deine Low-Light-Fotos?

Im Moment habe ich drei verschiedene. Ich habe eine Canon EOS 5DS R, die ich für Zeitrafferaufnahmen einsetze, da die 50-Megapixel-Fotos in 8K-Videos konvertiert werden. Ich habe auch eine Canon EOS 5D Mark IV und die neue Canon EOS R. Was das Objektiv angeht, so empfehle ich eines mit Lichtstärke 1:2,8. Die erstklassigen Low-Light-Eigenschaften sind ideal für Nachtaufnahmen. Mit einem 1:2,8 oder sogar einem 1:1,4 Objektiv kann man sogar aus der freien Hand vernünftige Langzeitbelichtungen machen.

Du setzt viele Effekte im Nachhinein ein. Welchen Rat kannst du Leuten geben, die gerade erst in die Nachbearbeitung einsteigen?

Der erste Fehler, den jeder macht – und da schließe ich mich nicht aus – ist es, die Farbsättigung zu hoch zu fahren. Das sollte man bei der Nachbearbeitung auf jeden Fall vermeiden und die Fotos ganz natürlich aussehen lassen.

Leider gibt es keine Möglichkeit, das Editieren auf die Schnelle zu erlernen. Wer also noch nie mit Software zur Nachbearbeitung gearbeitet hat, sollte einfach damit herumspielen. Bei YouTube findet man eine Menge kostenlose Tutorials für jeden Kenntnisstand.

Am wichtigsten ist es aber, den eigenen Stil zu entwickeln – man kann sich von anderen inspirieren lassen, darf sie aber nicht einfach kopieren.

Welches sind deine liebsten Orte für Nachtaufnahmen und warum?

Es zieht mich zu Orten, an denen eine Menge Menschen, Verkehr und Lichter sind. Darum mag ich die Feiertage so. Die dekorativen Lichter, das Treiben auf den Weihnachtsmärkten und die verschiedensten Pop-ups machen diese Jahreszeit ideal für Low-Light-Aufnahmen.

@Nige Levanterman

Kannst du uns 3 Top-Tipps geben, die bei der Low-Light-Fotografie helfen?

Investieren Sie in ein gutes Stativ. Für ein gestochen scharfes Bild muss die Kamera absolut ruhig stehen – selbst kleinste Erschütterungen können zu Unschärfen führen.

Sobald das Motiv feststeht, sollte auf manuelle Fokussierung umgestellt werden – so versucht die Kamera nicht, andere Objekte im Bild zu fokussieren – wie beispielsweise vorbeilaufende Menschen oder vorbeifahrende Autos. Hierzu wählt man den Fokuspunkt, drückt den Auslöser halb durch und schaltet das Objektiv dann auf „Manuelle Fokussierung“.

Wenn man die Grundlagen der Low-Light-Fotografie beherrscht, sollte man in ein gutes Objektiv investieren. Ein neues Objektiv kann deinen Stil völlig verändern und hilft dir, dich weiter zu entwickeln. Ich hatte ungefähr vier Objektive, bevor ich von meiner Einsteiger-DSLR zu einem besseren Modell gewechselt habe.

Was können wir als nächstes bei deiner Fotografie erwarten, Nige?

Ich probiere ständig neue Ideen aus. Ich wollte immer anders sein – deshalb habe ich viele ikonische Gebäude auf meine ganz eigene Art und Weise fotografiert. Daher denke ich, dass ich bestrebt bin, mich ständig weiter zu entwickeln und mit der Zeit und den Anforderungen der sozialen Medien Schritt zu halten.

@Nige Levanterman


Empfohlene Ausrüstung

Canon EOS 2000D

Canon EOS M50



Von Sasha Newbury