Es ist immer interessant zu erfahren, was Menschen zu ihrer Arbeit motiviert hat, aber bei dem Team von
Organisation Nature Seychelles ARC (Assisted Recovery of Corals) ist es besonders interessant. Denn trotz vollkommen unterschiedlicher Laufbahnen harmonieren sie einfach miteinander. Dabei bilden sie eine starke Gemeinschaft, die ihr Leben dem Meer verschrieben hat – und die heute im Mittelpunkt eines weltweit bedeutenden Naturschutzprojekts steht.
Klicken Sie unten, um das Team kennenzulernen:
• Priya Didon, Coral Aquaculture Officer
• Viktoria Sturm, Science & Technical Field Officer
• Dr. Luca Saponari, Senior Science & Technical Field Officer
Korallen beim Laichen zu sehen und es als eine der ersten Seychelloisen mit eigenen Augen zu erleben? Das ist wirklich etwas ganz Besonderes.“
Priya Didon, Coral Aquaculture Officer
„Überall auf der Welt bekommen es Inselbewohner:innen hautnah zu spüren, wie es ist, wenn ein Riff stirbt“, erklärt Priya. Für sie, die auf den Seychellen geboren und aufgewachsen ist, hat der Verlust der Korallenriffe eine persönliche Dimension. „Die Auswirkungen auf uns sind real, wenn wir Teile unserer Inseln verlieren und ich glaube, es löst in uns, aber besonders bei Inselbewohner:innen kleinerer Entwicklungsländer, etwas aus. Wir wollen unsere Riffe schützen, weil viele Menschen hier direkt oder indirekt von ihnen abhängig sind.“
Priya wuchs auf Mahé auf, der größten Insel der Seychellen, auf der der Großteil der Bevölkerung lebt. Daher weiß sie von allen im Team wohl am besten, wie wichtig ihre Arbeit für
sämtliche
Inselbewohner:innen ist. „Sie ernähren uns, geben uns Arbeit und Stabilität“, sagt sie. Die Riffe schützen auch die Küsten, nützen der Fischerei und sorgen für den Tourismus, der das Rückgrat der Wirtschaft bildet. Wie Priya sagt: „Ohne ihre Riffe wären die Seychellen nicht das, was sie sind.“
Da sie aus einer Lehrerfamilie stammt, die sich sehr für die Umwelt interessiert, wurde ihr Interesse an der Welt um sie herum aktiv gefördert – es ist seit jeher für sie nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern prägt auch ihren Alltag. Sie begleitete ihren Großvater, wenn er zu den Riffen und Flachwasserzonen hinausfuhr, und sprang furchtlos in die warmen Wellen des Indischen Ozeans, wo sie sich selbst das Schwimmen beibrachte.
Da sie sich zu Orten hingezogen fühlte, an denen die Natur stärker präsent ist als der Mensch, kam für sie nichts Anderes in Frage als ein Studium der Umweltwissenschaften an der University of Seychelles. Dadurch konnte sie ihre Heimat durch die Augen einer Naturschützerin und Wissenschaftlerin entdecken. In Praktika und bei der Arbeit vor Ort auf den inneren und äußeren Inseln sammelte sie wertvolle praktische Erfahrungen bei Organisationen wie der
Save Our Seas Foundation
und der
Island Conservation Society. „Ich verbrachte acht Monate als Naturschutzbeauftragte auf dem abgelegenen
„Atoll Farquhar“, erklärt sie.
Nach dem Studium durfte Priya an einer Forschungsexpedition auf dem Forschungsschiff namens Ocean Explorer teilnehmen, das mehr als 115 Inseln der Seychellen ansteuerte. Es war eine aufregende Expedition, „bei der ich meinen ersten Hubschrauberflug machen durfte“, erzählt sie lächelnd. „Außerdem ging es mit einem Tauchboot 400 Meter in die Tiefe!“ Dadurch lernte sie die Meeresumwelt ihres Landes besser kennen und sie bekam ein echtes Gefühl für die Unermesslichkeit und Verletzlichkeit des Ozeans, der sie in ihrem Alltag umgab.
Der Einstieg ins ARC-Team von Nature Seychelles ging jedoch mit einem beruflichen Wendepunkt einher, da sie vorher überwiegend Erfahrungen an Land gesammelt hatte. „Als sich diese Stelle ergab, wollte ich mich einer persönlichen Herausforderung stellen.“ Es war eine großartige Gelegenheit, mehr über den meereskundlichen Aspekt des Naturschutzes zu verstehen“, erläutert sie. „Ich wusste wirklich nicht viel über Aquakultur im Allgemeinen. Daher wurde ich von meinen neuen Kollegen eingearbeitet.“ Ich habe so viel gelernt und lerne immer noch dazu – besonders seit die Laichanlage für Korallen eingerichtet wurde. Wir alle lernen jeden Tag ununterbrochen dazu.“
Als Coral Aquaculture Officer hat Priya dafür zu sorgen, dass die Korallen „glücklich und gesund“ sind. Also verbringt sie viel Zeit im ARC, um sicherzustellen, dass die Bedingungen optimal sind und die Korallen gedeihen können. „Es gibt viel zu tun mit Putzen, Wartung und natürlich der Korallenpflege“, sagt sie. „Aber ich liebe es, die Jungkorallen aufzuziehen und zu versorgen.“ Und wir ermöglichen auch asexuelle und sexuelle Fortpflanzung, und das ist der wirklich spannende Teil der Arbeit. Wir konnten unglaublich viel von Dr. Jamie Craggs und Kate Craggs lernen."
Als stolze Seychelloise berührt sie dieses Projekt zutiefst. Priya ist Teil eines historischen Prozesses. „Korallen beim Laichen zu sehen und es als eine der ersten Seychelloisen mit eigenen Augen zu erleben? Das ist wirklich etwas ganz Besonderes“, sagt sie. „Im November hatten wir drei Laichvorgänge“, erinnert sie sich, „und es war immer wieder genauso aufregend wie beim ersten Mal.“
Für Priya ist ihre Arbeit viel mehr als nur ein Beruf – es ist auch eine Verantwortung. Ihrer seychellische Identität und ihrer Verbundenheit mit den Inseln hat sie ein Leben zu verdanken, in dem sie nicht nur die Riffe schützt, sondern auch dazu beiträgt, die Zukunft der Seychellen zu sichern.
Bei der Restauration von Riffen bist du Taucherin, Handwerkerin und Büroangestellte in einer Person.“
Viktoria Sturm, Science & Technical Field Officer
Man könnte sagen, dass Vickys Karriere bei Nature Seychelles ihr in die Wiege gelegt wurde. „Meine Eltern haben ihre Flitterwochen auf den Seychellen verbracht“, erzählt sie lächelnd. „Also sagte meine Mutter, dass sie ihr Baby Victoria nennen würde, weil das der Name der Hauptstadt ist.“ Daher war es fast vorauszusehen, dass Vicky eine Faszination für das Meer entwickeln würde. Aufgrund ihres unstillbaren Hungers nach Dokumentationen über Haie, Wale und vieles mehr tauchte sie viele Stunden in die Unterwasserwelt, die Welt der Korallenriffe, das Leben im Meer und die Wissenschaft hinter den Ökosystemen des Ozeans ein.
Aus dem kindlichen Interesse wurde jugendlicher Ehrgeiz, als es sie im Rahmen eines Schüleraustausches nach Costa Rica verschlug, wo sie in den Schulferien bei einem Projekt zum Schutz von Meeresschildkröten mitarbeitete. „Es was einfach nur toll. Mit achtzehn ging ich wieder dahin zurück, um dort zu arbeiten.“ Anschließend begann sie ein Geographiestudium an der Universität Mainz, dem schnell ein Masterstudium in tropischer Meeresökologie an der Universität Bremen folgte. Hier kam sie erstmals mit der Erforschung von Korallenriffen in Berührung. „Wir nahmen an Seminaren zu Korallenriffen teil, und ich war fasziniert. Das hat in mir den Wunsch geweckt, mit Korallen zu arbeiten. Als ich dann nach Orten suchte, an denen ich meinen Masterarbeit schreiben könnte, entdeckte ich Nature Seychelles.“
Ihre Abschlussarbeit befasste sich ausschließlich mit Korallen. Mithilfe des Coral Bleaching Automated Stress Systems (CBASS) untersuchte sie die Hitzebeständigkeit von vier Korallenarten im Verlauf des Restaurationsprozesses. Dabei wurde das System erstmals auf den Seychellen eingesetzt. Als ihr dann nach Abschluss ihrer Masterarbeit dort eine Festanstellung angeboten wurde, setzte sie die Arbeit mit dem CBASS fort. Seitdem hat sie zwei Gaststudierende aus einem Masterstudiengang in der Nutzung des CBASS ausgebildet. Gemeinsam haben sie mehrere neue Experimente durchgeführt.
Gegenwärtig verbringt Vicky einen Großteil ihrer Zeit unter Wasser. Dazu musste sie ihre Tauchkenntnisse schnell weiterentwickeln. „Als Ehrenamtliche habe ich nur ungefähr dreißig Tauchgänge gemacht und hatte keine eigene Ausrüstung – lediglich eine alte Maske. Daher war viel Lernen gefragt“, erinnert sie sich. „Mittlerweile habe ich Hunderte von Tauchgängen absolviert und gelernt, alltägliche Aufgaben unter Wasser zu bewältigen.“ Natürlich ist das nicht die Art von Tauchen, die man im Urlaub macht. Es gehören praktische, handfeste Arbeiten dazu wie das Sammeln und Zerkleinern von Korallen, die Pflege und den Bau von Aufzuchtstationen sowie das Anbringen von Korallen im Riff mit Zement. „Wir müssen Arbeiten mit dem Hammer ausführen, oder schwere Körbe tragen und gleichzeitig mit starken Strömungen und hohem Wellengang fertig werden“, erklärt sie.
Das gehört jetzt einfach zu Vickys Alltag dazu. „Morgens bereiten wir unsere gesamte Tauchausrüstung vor und besprechen, was wir unter Wasser tun werden. Wir beladen unseren Lkw mit unserer Ausrüstung und Materialien, laden alles auf das Boot und fahren dann zum Projektstandort. Derzeit ist dieser das Cousin Island Special Reserve, wo degradierte Riffe restauriert werden. Sie sammelt Korallen von gesunden Riffen ein, die sich auf natürliche Weise gelöst haben, und bringt sie an Stellen wieder an, die Stressfaktoren unterliegen.
„Wir machen jeden Morgen etwa zwei oder drei Tauchgänge. Dann fahren wir zurück, spülen unsere gesamte Ausrüstung aus, duschen, essen und beginnen mit der Arbeit an Land.“ Das ist zwar nicht so glamourös, aber nicht weniger wichtig. Ihre tägliche Arbeit besteht aus dem Schreiben von Anträgen und der Durchsicht von Daten. In der landbasierten Korallenzucht repariert sie Rohre und Pumpen, hält die Anlage instand und mikrofragmentiert Korallen.
Es ist eine Arbeit, die einen sowohl körperlich als auch geistig sehr fordert. Daran muss man sich erst gewöhnen. „Bei der Restauration von Riffen bist du Taucherin, Handwerkerin und Büroangestellte in einer Person“, sagt sie lächelnd. „Aber genau das liebe ich an diesem Job – er hat von allem etwas, sodass es nie langweilig wird.“ Besonders wenn wir die Gebiete besuchen, die wir vor ein oder zwei Jahren bepflanzt haben, und sehen, wie die Korallen wachsen und gedeihen, wobei ich noch genau weiß, welche ich gepflanzt habe. Dieses Gefühl ist einfach unbezahlbar.“
Es ist ganz anders als zu ihrer Zeit als Ehrenamtliche, als sie begann, sich mit den Grundlagen der Korallenpflege vertraut zu machen – mit all dem neuen Fachvokabular, den Pumpen, Filtern und der Aquakultur. „Das war alles so neu für mich und ich habe unglaublich viel gelernt. Und jetzt, seit Ankunft der neuen Korallenzuchtanlage, beginnt alles wieder von vorn“, sagt sie. Auch wenn sie noch einen Doktortitel dranhängen könnte – jetzt steht für sie ihre Arbeit an erster Stelle, die sie als spannend und erfüllend empfindet. „Jeden Abend, wenn ich ins Bett gehe, weiß ich, dass ich etwas Hilfreiches getan habe.“
Eine Koralle mag wie ein einzelner Organismus aussehen, aber sie ist eine Gemeinschaft. Polypen, Algen, Fische, Bakterien – alles ist miteinander verbunden und arbeitet harmonisch zusammen.“
Dr Luca Saponari, Senior Science & Technical Field Officer
Auf den Seychellen zu arbeiten klingt wie ein Traum, und in vielerlei Hinsicht ist es das auch. Luca lebt diesen Traum, der daraus besteht, dort zu leben, wo Wissenschaft und Meer aufeinander treffen – indem er Riffe baut und Ökosysteme erforscht. Als erfahrener Taucher, der schon mehr als 2000 Tauchgängen hinter sich hat, fühlt sich Luca unter Wasser ebenso wohl wie die meisten Menschen an Land. Seitdem sein Vater ihm in seiner Kindheit das Meer zeigte, ist das Tauchen Teil seines Lebens. Sein Vater brachte ihm jedoch nicht nur bei, mit der Ausrüstung umzugehen und die Bedingungen einzuschätzen, sondern steckte ihn auch mit seiner Begeisterung für die Unterwasserfotografie auch an. Luca erkannte schnell, dass er nicht nur Bilder aufnahm, sondern auch die Geschichten unter Wasser festhielt und dokumentierte.
Allerdings kam diese Leidenschaft nicht über Nacht. Es dauerte eine Weile, bis Luca die Liebe, die sein Vater ein Leben lang hegte, voll und ganz teilte. „Anfangs war es nur etwas, das wir gemeinsam unternahmen“, gibt er zu. „Dann hat eines Tages etwas in mir Klick gemacht, und plötzlich sah ich die Chance, die mir das Meer und das Tauchen für meine Zukunft boten.“ Er begann ernsthaft zu trainieren, erwarb Zertifikate und gestaltete nach und nach seine Karriere rund um das Meer. „Ich musste Zeit opfern, die ich sonst mit meiner Familie und meinen Freunden verbracht hätte“, sagt er. Aber sie freuen sich alle sehr für mich. Meine Arbeit führt mich weit weg von Zuhause, aber ich treffe auch tolle Menschen und sammle schöne Erinnerungen.“
Heute hat er einen Abschluss in Meeresbiologie und einen Doktortitel in Biologie und Biotechnologie, die er beide an Universitäten seines Heimatlandes Italien erworben hat. Seine Promotion schrieb er in einem Resort-Labor auf den Malediven, wo er etwa sechs Jahre lang als Meeresbiologe und Forscher tätig war. Hier machte er Feldforschung, überwachte Riffe und führte praktische Naturschutzarbeiten durch, bis die Pandemie die Aktivitäten unterbrach. „Sie mussten schließen und die Forschungsgelder wurden eingestellt“, erklärt er. „Also ging ich nach Hause und musste mir einem neuen Job suchen. Zu diesem Zeitpunkt entdeckte ich, dass Nature Seychelles jemanden für die Leistung des Korallen-Restaurierungsprojekts suchte. Ich habe mich beworben und konnte im März 2021 anfangen.“
Seine Zeit verbringt er sowohl an Land als auch unter Wasser. Seine akribische Arbeitsweise passt perfekt zu seinem Job, in dem sich Wissenschaft, Führung und Außeneinsatz vereinen. Zusätzlich betreut er das Projekt Reef Rescuers. Unter Wasser sind Präzision und Planung wichtig, und tägliches Tauchen kann gefährlich sein. „Wir arbeiten unter Wasser. Manchmal stehen schwere Aufgaben an. Es ist eine andere Art zu tauchen als nur zum Spaß oder in der Freizeit, aber ich liebe es, ein klares Ziel zu verfolgen“, sagt er. Bei ihren Tauchgängen wählen sie sorgfältig Korallenfragmente aus, positionieren und überwachen sie und verfolgen und messen ihr Wachstum – und ihren Überlebensprozess.
Für Luca ist es sowohl Wissenschaft als auch Handwerk, aber für seine Arbeit an Land sind auch technisches Geschick und strategisches Denken gefragt. Er stellt sicher, dass die Arbeit vor Ort am übergeordneten Ziel des Naturschutzes ausgerichtet ist, sei es durch die Leitung des ARC, die Koordination von Forschungsprogrammen oder die Betreuung seines Teams.
Auch wenn Luca weiß, dass es viel geistige und körperliche Arbeit ist, kann man deutlich erkennen, dass er die Unterstützung eines Teams hat, mit dem er wirklich auf einer Wellenlänge ist. „Es gibt ein schönes Beispiel, das ich gerne anführe“, sagt er. „Eine Koralle mag wie ein einzelner Organismus aussehen, aber sie ist eine Gemeinschaft, ein Netzwerk. Polypen, Algen, Fische, Bakterien – alles ist miteinander verbunden und arbeitet harmonisch zusammen.“ Das ist ein kraftvolles Bild, welches das große Ganze gut darstellt. Wo Wissenschaftler, Taucher, Freiwillige und Fotografen ihren Beitrag zu etwas leisten, das weit über den Einzelnen hinausgeht.
Verfolgen Sie hier den Fortschritt unserer Arbeit mit Nature Seychelles und Coral Spawning International.
Weitere Geschichten
-
Matsch, Schweiß und Zauber: Aufbau der ersten Korallenzuchtanlage der Seychellen
Als vier riesige Kisten mit einer Korallenzuchtanlage auf den Seychellen ankamen, begann ein Wettlauf gegen Mutter Natur, denn diese musste vor dem nächsten Laichen installiert werden.
-
Polypen, Fortpflanzung und Menschen: die ungewöhnliche, aber vertraute Art der Korallenfortpflanzung
Ihren Nachwuchs können Korallen auf verschiedene Arten auf die Welt bringen. Einige davon dürften uns bekannt vorkommen.
-
Korallen am Küchentisch: Das außergewöhnlich gewöhnliche Leben von Kate und Jamie Craggs
Eine vielbeschäftigte, liebevolle Familie – man würde nie vermuten, dass sie in ihrer eigenen Küche Geschichte schreibt. Lernen Sie Jamie und Kate von Coral Spawning International kennen.
-
Nature Seychelles: Die Beschützer des Paradieses.
Bei Nature Seychelles verfolgen alle ein gemeinsames Ziel: Der Schutz der Artenvielfalt ihrer geliebten Inseln. Das erfordert kontinuierliche Arbeit, langfristiges Denken und viel Innovation.