So macht Dani Connor beeindruckende Wildlife-Aufnahmen mit Gegenlicht

Gegenlicht muss nicht unbedingt ein Problem sein, das man vermeiden muss. Dani Connor teilt ihre Tipps, wie man es als kreatives Element einsetzt, um packende Wildlife-Aufnahmen zu machen.
Ein rotes Eichhörnchen steht auf einem Mooshaufen, während das Licht durch seinen hoch aufgerichteten Schwanz scheint und seinen Kopf und Körper umrandet; im Hintergrund sieht man einen Wald, der unscharf bleibt. Das Wildlife-Foto mit Gegenlicht wurde von Dani Connor mit einer Canon-Kamera und Objektiv aufgenommen.

Gegenlicht zählt zu den schwierigsten Dingen, die man in der Wildlife-Fotografie meistern muss. Richtet man die Kamera auf einen hellen Sonnenaufgang, erhält man sehr schnell einen viel zu hellen Hintergrund oder eine Silhouette ohne Details.

Für Wildlife-Fotografin und Canon Ambassador Dani Connor gehört genau diese Herausforderung jedoch zum Reiz dazu. Gut eingesetzt, kann Gegenlicht ein Wildlife-Bild komplett verwandeln: Es hebt die Fellstruktur hervor, betont dramatische Formen und erzeugt eine ganz eigene Stimmung.

Du möchtest das selbst einmal ausprobieren? Hier sind Danis Tipps, worauf es wirklich ankommt: Timing, Motivplatzierung und Belichtung.

Was ist die optimale Tageszeit für Aufnahmen mit Gegenlicht?

Für Dani entstehen die besten Wildlife-Bilder mit Gegenlicht oft früh am Tag. Die „blaue Stunde“ kann einen kühlen, stimmungsvollen Look erzeugen, während Sonnenaufgang und die „goldene Stunde“ die Wärme liefern, die für Silhouetten und Konturenlicht benötigt wird. Je tiefer die Sonne steht, desto einfacher kann man sie sauber hinter dem Motiv platzieren.

Das ist wichtig, denn Gegenlicht wirkt am besten, wenn das Licht die Konturen des Tieres umspielt. Bei roten Eichhörnchen fängt es das Fell und die Ohrpinsel wunderschön ein und erzeugt eine leuchtende Kontur, die das Tier klar vom Hintergrund abhebt.

Ein rotes Eichhörnchen vor einem unscharfen Wald mit hochgestelltem Schwanz bei Gegenlicht. Das Wildlife-Foto wurde von Dani Connor mit einer Canon EOS R6 Mark III und einem Canon RF 100-500mm F4.5-7.1 L IS USM aufgenommen.

Eine klassische Bildkomposition – das fressende Eichhörnchen im Gegenlicht, der Schwarz hoch aufgerichtet und keine störenden Elemente im Hintergrund, die seine Silhouette unterbrechen. Der unscharfe Hintergrund sorgt für eine saubere Trennung von Motiv und Hintergrund. Aufgenommen mit einer Canon EOS R6 Mark III und einem Canon RF 100-500mm F4.5-7.1 L IS USM Objektiv bei 363 mm, 1/1.600 Sek., F5.6 und ISO 8.000. © Dani Connor

Was ist die optimale Bildkomposition bei einem Wildlife-Foto mit Gegenlicht?

„Ich komponiere das Bild mit der Sonne direkt hinter dem Tier, beachte aber gleichzeitig den Hintergrund und eventuelle störende Elemente“, erklärt Dani. Sie sucht einen möglichst ebenmäßigen Hintergrund, damit die Form des Tieres klar hervortritt – ohne Zweige, Äste, andere Objekte oder helle Flecken.

Das Platzieren des Tieres in erhöhter Position schafft mehr Abstand zum Hintergrund, damit das Konturenlicht besser zur Geltung kommt und das Bild nicht überladen wirkt.

Auch die Pose ist entscheidend. „Bei den Gegenlichtaufnahmen der Eichhörnchen gefallen mir die Bilder am besten, bei denen der Schwanz hoch aufgerichtet ist“, sagt Dani. „Dann entsteht diese wirklich charismatische Form.“

Bei Wildlife-Fotos mit Gegenlicht erfolgt die Belichtung anhand der hellen Bildbereiche

Statt auf Belichtungskorrektur zu setzen, nutzt Dani die manuelle Belichtung. Ihr oberstes Ziel ist dabei der Schutz der besonders hellen Bildbereiche, denn völlig überbelichtete Stellen lassen sich später nicht mehr retten.

„Ich belichte auf die Highlights und nehme in Kauf, wenn dunkle Bereiche in den Schatten absaufen. Ich finde es es störender, wenn Weißtöne ohne Zeichnung sind“, sagt sie.

In der Praxis bedeutet das: mit offener Blende fotografieren, um möglichst viel Licht einzufangen, ISO möglichst niedrig halten und die Belichtungszeit an die Helligkeit des Hintergrunds und die Bewegung des Tieres anpassen. Bei einem sich schnell bewegten Motiv wie einem Eichhörnchen braucht sie eine ausreichend kurze Belichtungszeit, um den Moment einzufrieren – sie wählt die Belichtung nach dem Licht um das Motiv herum und versucht nicht, das gesamte Bild gleichmäßig zu belichten.

Genau dieser Ansatz ermöglicht ihr auch zu entscheiden, ob das Bild eher eine reine Silhouette werden soll oder noch etwas Zeichnung im Tier behalten darf.

Schwarz-Weiß-Foto eines roten Eichhörnchens, das von hinten durch Sonnenlicht silhouettenhaft beleuchtet wird; im Hintergrund befinden sich unscharf dunkle Bäume. Das Wildlife-Foto wurde von Dani Connor mit einer Canon EOS R6 Mark III - Kamera und einem Canon Telezoom-Objektiv aufgenommen.

Ein ebenmäßiger Hintergrund ist nicht immer gegeben, aber in diesem Fall lässt die Gegenlichtbeleuchtung das Eichhörnchen auch ohne farbliche Unterstützung deutlich als Silhouette hervortreten. Aufgenommen mit einer Canon EOS R6 Mark III und einem Canon RF 100-500mm F4.5-7.1 L IS USM Objektiv bei 223 mm, 1/3.200 Sek., F5 und ISO 2.000. © Dani Connor

Wie hilft das Canon EOS R System dabei?

Gegenlicht-Szenen in der Wildlife-Fotografie stellen hohe Anforderungen an den Autofokus – besonders bei wenig Licht. Dani sagt, dass die Motivnachführung und der AF mit Augenerkennung bei Tieren ihrer EOS R6 Mark III die Sache deutlich einfacher machen.

„Der Autofokus ist so gut, dass er das Auge selbst bei fast völliger Dunkelheit noch erkennt“, sagt sie, „und auch die Nachführung ist unglaublich.“

Die Live-Vorschau im elektronischen Sucher ist eine weitere große Hilfe und vermittelt schon vor der Aufnahme ein viel klareres Bild davon, wie die Belichtung wirkt. Dazu kommen lautloses Auslösen und die hohe Geschwindigkeit bei Reihenaufnahmen – die Kamera ist also bestens gerüstet, um auch die flüchtigsten Momente einzufangen.

Trotzdem überlässt Dani nicht alles der Automatik. „Wenn ich weiß, dass das Eichhörnchen sich irgendwo hinsetzen wird, fokussiere ich vorher schon einmal manuell darauf“, erklärt sie. Genau wie bei der Belichtung dient die Technik dazu, die Aufnahmen zu unterstützen – und nicht dazu, das Urteilsvermögen der Fotografin zu ersetzen.

Was ist, wenn das natürliche Licht nicht ausreicht?

Das natürliche Licht bei Sonnenauf- oder -untergang ist ideal, doch Dani setzt auch gern ein externes Blitzgerät ein, um einen Gegenlicht-Effekt zu erzeugen, wenn die natürlichen Bedingungen das nicht hergeben.

Dabei ist ihr Setup ganz einfach. Sie positioniert das externe Blitzgerät hinter dem Eichhörnchen, um einen Lichtring um den Körper zu erzeugen, dämpft und weicht das Licht mit Küchenpapier ab und löst den Blitz kabellos aus. Sie verwendet auch die Canon Camera Connect App, um die Kamera fernzusteuern, wenn sie aus größerer Entfernung arbeiten möchte, um das Tier nicht zu stören.

Dani hält die Blitzleistung niedrig und setzt sie sehr behutsam ein, damit das Tier nicht verängstigt wird. Ihr Ziel ist es nicht, die Szene zu überstrahlen, sondern eine dezente Konturbeleuchtung zu schaffen, die natürlich wirkt und Atmosphäre hinzufügt.

Ein Eichhörnchen auf einem Ast, von der Sonne hinterleuchtet, wodurch ein Sonnenstrahleneffekt entsteht. Das Wildlife-Foto wurde von Dani Connor mit einer Canon EOS R6 Mark III-Kamera und einem Canon-Objektiv aufgenommen.

Für Wildlife-Fotos mit Gegenlicht bevorzugt Dani Situationen, in denen sich das Eichhörnchen auf einem Ast statt auf dem Waldboden befindet, damit der Hintergrund klarer ist. Natürlich spielt die Sonne nicht immer mit, aber dieser einzelne Sonnenstrahl sorgt ebenfalls für ein wirkungsvolles Bild, indem er die Beleuchtung selbst zum Blickfang macht. Aufgenommen mit einer Canon EOS R6 Mark III und einem Canon RF 135mm F1.8 L IS USM Objektiv bei 1/2.000 Sek., F1.8 und ISO 400. © Dani Connor

Ein Canon Speedlite EL-1 - Blitzgerät auf einem Felsen, daneben eine Canon EOS R5 - Kamera mit einem Speedlite Transmitter ST-E3-RT auf dem Multifunktions-Zubehörschuh.

Als Alternative zu natürlichem Licht oder als Ergänzung, um mit der Ausleuchtung die Konturen des Motivs zu betonen, positioniert Dani ein Speedlite-Blitzgerät extern. Dieses wird mit einem Speedlite Transmitter ST-E3-RT ferngesteuert, der über den Multifunktions-Zubehörschuh ihrer Kamera betrieben und mit Strom versorgt wird. Damit wird dann der Blitz drahtlos mit der Kamera synchronisiert.

Warum verändert Gegenlicht ein Bild so stark?

Danis Gegenlicht-Technik ist so wirkungsvoll, weil sie über das gängige Wildlife-Porträt hinausgeht. Indem sie genau darüber nachdenkt, wo das Licht ist, wo das Motiv platziert wird und was in den hellen Bildbereichen erhalten bleiben soll, verwandelt sie alltägliche Begegnungen in Bilder voller Stimmung und Dramatik.

Wenn du deine Fotografie auf ein neues Level heben möchtest, probiere es doch selbst einmal aus. Gegenlicht ist nicht nur eine Lichtsituation, mit der man zurechtkommen muss – nutze es bewusst, und deine Wildlife-Fotos werden wirklich herausstechen.

Verfasser: Jeff Meyer

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