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Ein Meer voller Plastik dokumentieren

Entdecke, wie Mandy Barker ihre schönen, aber äußerst schockierenden Bilder schafft, die auf die Verschmutzung der Weltmeere durch Kunststoff aufmerksam machen – mit Plastikmüll, den sie am Strand findet.
Eine Vielzahl von Fußbällen in verschiedenen Verfallszuständen wird schwebend vor einem schwarzen Hintergrund dargestellt.

PENALTY – The World. Mit ihrer Reihe „Penalty“, veröffentlicht zur Zeit der FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2014, machte Mandy Barker auf das Problem des Plastikmülls aufmerksam. Sie konzentrierte sich dabei auf einen Gegenstand, der überall in den Weltmeeren zu finden ist – auf Fußbälle. Dieses Bild zeigt Teile von 769 Fußbällen, die in 41 Ländern und Inseln von 89 Bürgern in nur vier Monaten gesammelt wurden. Erstellt aus mehreren Aufnahmen in verschiedenen Umgebungen mit einer Canon EOS 5D Mark III (mittlerweile ersetzt durch die Canon EOS 5D Mark IV) und einem Canon EF 24-70mm f/2.8L Objektiv (mittlerweile ersetzt durch das Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM). © Mandy Barker

Mandy Barkers auffällige Fotografien ähneln vordergründig wunderschönen Unterwasserwesen oder Szenen, die vor tierischem Leben und bunten Pflanzen vibrieren. Aber sieh genauer hin, und du bemerkst, dass sie tatsächlich Plastikmüll wie Tüten, Angelschnüre und Kinderspielzeug zeigen und damit genau die marinen Lebensformen imitieren, die das Plastik tötet.

Plastikmüll ist eines der größten aktuellen Umweltprobleme auf der Erde. Millionen Tonnen dieses schädlichen Abfalls enden jedes Jahr im Meer, und Kunststoff wird noch an den entferntesten Orten nachgewiesen. Er wird von Fischen, Säugetieren und Seevögeln aufgenommen, wodurch unzählige von ihnen verhungern oder ersticken. Und das Problem nimmt immer weiter zu.

„Etwas, das nur wenige Minuten lang genutzt werden soll, bleibt Hunderte Jahre im Meer erhalten“, so Barker. „Polymerwissenschaftler sagen, dass sich das gesamte jemals produzierte Plastik, sofern es nicht verbrannt wurde, immer noch irgendwo auf der Erde befindet, entweder in seiner ursprünglichen Form oder als Nano- oder Mikroplastik. Das ist ein furchtbarer Gedanke.“
Eine verwitterte orange Plastiktüte, die wie eine Qualle aussieht, vor einem schwarzen Hintergrund.

Diese markante Aufnahme einer teilweise verwitterten Plastiktüte mit dem Titel „Indefinite – 1-3 Years“ stammt aus Barkers erster Reihe über die Meeresverschmutzung mit Plastik. Ein bis drei Jahre ist die optimistische Schätzung, wie lange es dauern wird, bis diese Tüte im Ozean abgebaut wird. Plastiktüten werden oft von Tieren gefressen, die sie mit Quallen verwechseln, verstopfen dann die Verdauungssysteme der Tiere und führen zum Tod. Aufgenommen mit einer Canon EOS 500D (mittlerweile ersetzt durch die Canon EOS 850D) mit einem Canon EF 24-70mm f/2.8L Objektiv mit einer Verschlusszeit von 2 Sek., Blende 1:16 und ISO 400. © Mandy Barker

Eine Gruppe blauer PVC-Handschuhe, die zusammen einer Koralle ähneln, vor einem schwarzen Hintergrund.

„Indefinite – 30 Years“. Barker stellte weggeworfene PVC-Fischerhandschuhe so zusammen, dass sie Korallen ähneln, und fotografierte sie dann in ihrem Studio zu Hause. „Korallen sterben, wenn sich von Fischern weggeworfene Ausrüstung – Overalls, Handschuhe, kaputte Hummerfallen und Netze – über den Meeresgrund getrieben wird“, erklärt sie. Aufgenommen mit einer Canon EOS 500D und einem Canon EF 24-70mm f/2.8L Objektiv mit einer Verschlusszeit von 2 Sek., Blende 1:16 und ISO 400. © Mandy Barker

Barkers Inspiration

Seit mehr als zehn Jahren schafft Barker Kunst aus Plastikmüll, um auf das Ausmaß des Schadens hinzuweisen, den er für Meereslebewesen und die marine Umwelt bedeutet. Ihre Arbeit wurde international in Zeitschriften wie National Geographic und Time veröffentlicht und für bedeutende Preise wie den Deutsche Börse Foundation Photography Prize nominiert. Für den prestigeträchtigen Prix Pictet stand sie auf der Shortlist.

Barker war zunächst Grafikdesignerin, bevor sie 2008 ein Studium der Fotografie an der De Montfort University in Leicester, GB, aufnahm. Während ihrer Zeit dort entschied sie, sich dem stetig wachsenden Problem des Plastikmülls zu widmen, dessen Zunahme sie an der englischen Küste bemerkt hatte.

„Als ich jünger war, sammelte ich Treibholz, aber mit der Zeit wurde immer mehr Abfall am Strand angeschwemmt, besonders Plastik“, sagt sie. „Ich wollte etwas dagegen tun und war neugierig, ob Fotografie hier ein Mittel sein könnte.“
Für ihre erste Reihe, Indefinite (2010), konzentrierte sich Barker auf einzelne Plastikteile, die sie an der Küste gefunden hatte. Sie nahm einige dieser Gegenstände mit nach Hause und platzierte sie vor einem Hintergrund aus schwarzem Samt. Als lebenslange Nutzerin von Canon fotografierte sie sie mit ihrer Canon EOS 500 Kamera.

Währenddessen kam ihr eine Idee, die seither in ihren Arbeiten immer wieder sichtbar wird. „Als ich diese Gegenstände aufnahm, wurde mir klar, dass einige von ihnen tatsächlich wie die Tiere aussahen, denen Plastik schadet“, erklärt sie. In diesen Bildern hat eine zerdrückte Plastikflasche ein fischähnliches Aussehen, eine Tüte sieht aus wie eine Qualle, und eine Gruppe von Fischerhandschuhen imitiert Korallengestein.

Als Hauptaspekt hebt Barker in dieser Reihe die Langlebigkeit der Gegenstände hervor. Im Begleittext wird der Zeitraum genannt, über den die einzelnen Gegenstände im Meer verbleiben, oftmals einige Hundert Jahre.
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Schockierende Schönheit

In darauffolgenden Arbeiten betonte Barker die massenhafte Ansammlung von Plastik in den Weltmeeren, indem sie eine große Anzahl von Gegenständen so darstellte, als ob sie im Meer trieben. Die Reihe „Where Am I Going“ zeigt beispielsweise Überreste von Luftballons, während in „Penalty“ einige Hundert aufgefundener Fußbälle zu sehen sind.

„Ich beginne mit dem, was an Plastikmüll an der Küste angeschwemmt wird“, erklärt Barker. „Es ist manchmal eine bestimmte Farbe oder eine Gruppe ähnlicher Gegenstände, mit denen ich dann das Problembewusstsein in einem bestimmten Gebiet oder Land steigern möchte.“

Viele ihrer Bilder zeigen die allzu vertrauten, täglichen Plastikgegenstände, die die Ozeane verschmutzen: Kinderspielzeug, Zahnbürsten, Kämme, Blumen, Tonerkartuschen, Besteck, Rohre und Verpackungen. In einem schockierenden Bild zeigt sie die 276 Plastikteile, die im Magen eines 90 Tage alten Albatros gefunden wurden.

Ihre Bilder sind sorgfältig aufgebaut, um uns mit ihrer Harmonie anzusprechen und dann mit dem tatsächlichen Inhalt zu überraschen. „Ich möchte den Betrachter heranholen, damit er die Informationen liest und herausfindet, worum es geht“, sagt sie. „Ich habe viel ausprobiert und dabei festgestellt, dass dieser Stil die Aufmerksamkeit der Leute fesselt und sie länger über das Thema nachdenken lässt.“

Für ihre 2020er Reihe „Shelf-Life“ nahm Barker immer mehrere Plastikgegenstände auf einem Bild auf. Diese Arbeit ist das Ergebnis einer Einladung zu einer wissenschaftlichen Forschungsreise auf die Insel Henderson, 5.000 km von der nächsten Landmasse im Südpazifik entfernt. Über sechs Tonnen Plastik wurden allein auf dieser Reise an der Küste der Insel gesammelt.
In „Shelf-Life“ gibt Barker der Vielzahl an Plastikgegenständen das Aussehen der Korallenriffe, die um die Insel herum wachsen. „Als wir zu der Insel segelten“, erklärt sie, „sah ich die wunderschönen weißen Korallen und das blaue Meer, und dann das ganze Plastik an der Küste, und diese beiden Eindrücke verschmolzen bei der Arbeit an der Reihe.“

Barker sieht einen Teil ihrer Aufgabe darin, die Arbeit der Wissenschaftler einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. „Dabei geht es um das, worüber sie forschen und in akademischen Zeitschriften oder im New Scientist schreiben, was vielleicht die Mehrheit der Menschen niemals lesen und sonst niemals erfahren wird“, fährt sie fort.

„Wenn ich Bilder machen kann, die an mehr Orten gezeigt werden als ihre Forschungsarbeiten veröffentlicht werden, kann ich Menschen so über die Arbeit der Wissenschaftler und ihre Erkenntnisse informieren. Es beruht sozusagen auf Gegenseitigkeit und ist fast so, als würde ich die Arbeit von Wissenschaftlern visuell darstellen.“
Misty mountaintops in Madeira. Photo by Michaela Nagyidaiová on a Canon EOS 6D Mark II with a Canon EF 24-70mm f/4L IS USM lens.

Young Photographer: Landschaften mit Geschichten

Die junge Fotografin Michaela Nagyidaiová wirft mit ihrem Mentor von Tobias Smith einen Blick auf die Landschaftsfotografie mit einem Umwelthintergrund.
Eine riesige Menge von Plastikprodukten wie Spielzeug und Flaschen, in verschiedenen Zerfallszuständen, vor einem dunkelblauen Hintergrund.

Dieses Bild mit dem Titel „Barcode – 50P 300015 (USA)“ zeigt Plastikprodukte aus mehr als 25 verschiedenen Ländern, die auf der Insel Henderson, 5.000 km von der nächsten Landmasse im Südpazifik entfernt, gefunden wurden. Es ist Teil des Projekts „Shelf-Life“ von Barker, und wie jedes Bild in der Reihe mit dem Strichcode benannt, der auf einem der abgebildeten Gegenstände zu sehen ist. Erstellt aus mehreren Bildern, die in unterschiedlichen Umgebungen mit einer Canon EOS 5D Mark IV und einem Canon EF 24-70mm f/2.8L Objektiv und einem Canon EF 100mm f/2.8L Macro IS USM Objektiv aufgenommen wurden. © Mandy Barker

Ausrüstung und Technik

Barker hat schon verschiedene Canon-Kameras genutzt, aber seit zwei Jahren verwendet sie eine Canon EOS 5D Mark IV. „Sie passt zu meinem Arbeitsstil“, sagt sie. „Wenn ich auf Expedition gehe, arbeite ich vielleicht draußen, bei schlechten Lichtverhältnissen und ohne Stativ, und die EOS 5D Mark IV ist bei wenig Licht einfach toll. Ihre Leistung ist auch wichtig, wenn ich drinnen arbeite, weil ich Aufnahmen in einer Umgebung mit wenig Licht und einer einzigen natürlichen Lichtquelle mache. Ich belichte etwa drei Sekunden lang, wodurch die Farben der Gegenstände vor dem schwarzen Hintergrund verstärkt werden.

„Zudem brauche ich recht große Dateien, weil einige meiner Bilder in großen Formaten gedruckt werden – manche wurden an den Seiten von Schiffscontainern aufgehängt. Mit der EOS 5D Mark IV habe ich einen guten Kompromiss gefunden, der mir eine sehr gute Qualität ermöglicht, ohne Dateigrößen zu generieren, die nicht mehr handhabbar sind und den Produktionsprozess nur verlangsamen würden.“

Barker besitzt verschiedenste Canon-Objektive, nutzt aber für fast ihre gesamte Arbeit das Canon EF 24-70mm f/2.8L USM (mittlerweile ersetzt durch das Canon EF 24-70mm f/2.8L II USM). Mit diesem Zoombereich hat sie die Möglichkeit, eine große Gruppe von Gegenständen aufzunehmen oder nur einige auszuwählen, ohne das Objektiv wechseln zu müssen. Zusätzlich verwendet sie das Canon EF 100mm f/2.8L Macro IS USM für die kleineren Plastikteile, die sie im Vordergrund betonen möchte, um auch das kleinste Detail zu erfassen.

Für fast alle ihre Aufnahmen nutzt sie dasselbe Verfahren. Die Plastikgegenstände werden in natürlichem Licht vor einem schwarzen Hintergrund fotografiert, entweder vor Ort oder bei ihr zu Hause.
Eine riesige Menge roter Schildkröten aus Kunststoff, die vor einem dunkelblauen Hintergrund im Kreis wirbeln.

Titel: „Barcode - 4902505085680 (Asia, Europe, N. America, S. America, Africa)“. Dieses Bild steht für die geschätzten 600.000 Einsiedlerkrebse, die jedes Jahr daran sterben, dass sie sich in Plastik verfangen. Barker schuf das Bild für ihre Reihe „Shelf-Life“, indem sie mehrere Aufnahmen einer Plastikschildkröte miteinander verband, die sie 2019 auf der abgelegenen Insel Henderson fand. Erstellt aus mehreren Bildern, die in unterschiedlichen Umgebungen mit einer Canon EOS 5D Mark IV und einem Canon EF 24-70mm f/2.8L Objektiv aufgenommen wurden. © Mandy Barker

Maximale Feldtiefe, maximaler Effekt

„Die Blende hängt von der Größe des Gegenstands ab“, erläutert sie, „aber meistens nutze ich eine Blende von 1:16, weil ich eine maximale Feldtiefe möchte, um sicherzugehen, dass alle Gegenstände im Fokus sind und „gesehen“ werden: Es ist für meine Arbeit sehr wichtig, dass alle Plastikteile erkannt werden können.

„Ich nehme einzelne Gruppen von verschieden großen Gegenständen vor einem schwarzen Hintergrund auf, von kleinen Mikroplastikpartikeln bis hin zu größeren Objekten, und füge dann die Bilder in Adobe® Photoshop® zusammen.* Manchmal behalte ich die ursprünglichen Hintergründe mit etwas Alge, Sand oder Mikroplastikpulver. Für „Shelf-Life“ habe ich jedoch die Ebenen der Gegenstände mit Farbbildern gemischt, um die Korallen rund um die Insel wiederzugeben.

„Einige der größeren Gegenstände im Vordergrund wurden in Photoshop hinzugefügt, um die Komposition zu verbessern, aber grundsätzlich ist alles so aufgenommen, wie es daliegt. Oftmals ist das sehr zufällig, wie eben auch im Meer. Ich verwende durchschnittlich etwa fünf Ebenen in einem Bild, und die größeren Stücke Plastik ergeben zusammen mit den kleineren den Anschein einer Tiefenperspektive.“

Barker sagt, ihr Ziel sei es nicht nur, das Problem der Plastikverschmutzung einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Sie möchte in der Hoffnung aufrütteln, dass die Menschen aktiv werden und täglich etwas zur Plastikmüllvermeidung beitragen.

„Vielleicht unterzeichnen sie dann Petitionen, schreiben ihren Abgeordneten oder gehen einfach an den Strand und sammeln fünf Plastikteile auf. Wenn die Leute meine Arbeit ansehen und daraufhin eine andere Entscheidung treffen als üblich, ist das alles, was ich mir wünsche“, sagt sie.

„Letztlich hoffe ich, dass sich die Dinge in einem größeren Ausmaß ändern, denn das ist nötig.“

Verfasst von David Clark


*Adobe und Photoshop sind entweder Marken oder eingetragene Marken von Adobe in den USA und/oder anderen Ländern.

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