Madeline St. Clair verwandelt ihre Träume in Taten und in Geschichten, die wirklich Bedeutung haben.

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Madeine St. Clair sitzt in einem Neoprenanzug auf dem Rand eines Bootes, ihre Beine baumeln über dem klaren, tiefblauen Meer. Sie hält eine große Kamera in einem wasserdichten Gehäuse in ihrem Schoß und blickt auf deren Rückseite.

„Die Vorstellungskraft wird erst dann großartig, wenn Menschen sie, sobald sie den Mut und die Kraft dazu haben, zum Schaffen nutzen.“

Das sind Worte der berühmten italienischen Pädagogin, Maria Montessori, die verstand, wohin die magischen inneren Welten der Fantasie uns führen können. Und mit der Zeit bekommt etwas, was zunächst albern, lustig oder belanglos erscheint, das Potenzial, die Welt zu verändern. Hätte sie gehört, wie aus Madeline St Clair eine Korallenriffbiologin und Filmemacherin wurde, hätte es sie vermutlich überhaupt nicht überrascht.

„Ich habe früher immer so getan, als hätte ich eine Robbe als Haustier und bin mit ihr mit einer imaginären Leine durch den Garten spaziert“, gibt Madeline lachend zu. „Ich habe ständig gefragt, warum wir keinen Teich mit Robben im Garten haben konnten.“ An dieser Begeisterung, die nach einem Familienausflug in ein Robbenreservat in Cornwall noch stärker wurde, hat sich bis heute nichts geändert. "Von meinem zweiten bis zu meinem achten Lebensjahr hatte ich einfach diese unbeschreibliche Neugier auf das Meer und besonders auf Robben.“ Nachdem sie erstmal ein Jurastudium geplant hatte, ist sie heute Botschafterin für genau diese Robbenauffangstation. „Ich wollte schon sehr lange Anwältin werden, obwohl ich tief in meinem Inneren eine Leidenschaft für das Meer verspürte.“

Doch als sie siebzehn war, veränderte eine Tragödie alles. „Einer meiner engsten Freunde verstarb. Es kam völlig unerwartet und war traumatisch, und mir wurde klar, dass ich nicht unbesiegbar bin“, sagt sie. „Mit zunehmendem Alter verliert man auf natürliche Weise das Gefühl der Unsterblichkeit. Aber für mich geschah es quasi über Nacht.“ Sie zog ihre Bewerbung für das Jurastudium sofort zurück und wechselte zu Biowissenschaft an die Exeter University. „Meine Eltern waren verwirrt, aber ich wusste, dass ich das tun musste, denn das Leben ist kurz und ich wollte etwas tun, das ich liebe, etwas, das wirklich zählt.“

Madeline St. Clair steht im Neoprenanzug bis zu den Oberschenkeln im Meerwasser. Sie hält eine große Kamera in einem wasserdichten Gehäuse, das das Wasser berührt, doch sie blickt nach links, als hätte sie etwas entdeckt.

Im letzten Jahr ihres Studiums war sie voll und ganz in ihr Fachgebiet vertieft und bereitete sich auf einen Master in tropischer Meeresbiologie vor. Aber zur gleichen Zeit gab es etwas in diesem Bereich, das sie störte. „Es mangelte der Wissenschaft wirklich an Kommunikation“, erklärt Madeline. Es gibt ein Zitat, das besagt: „Wissenschaft ist nur zur Hälfte vollendet, wenn sie nicht vermittelt wird“, doch ich hatte lediglich ein Modul zur Wissenschaftskommunikation belegt. Ich wusste, dass ich mit Korallenriffen arbeiten und etwas bewirken wollte, aber mir war auch klar, dass ich über meine Arbeit kommunizieren musste.“ Das war verständlich, denn sie hatte hart gearbeitet, um sich im Alter von gerademal 14 Jahren ihre erste Kamera – eine Canon EOS 500D – zu kaufen. „Ich habe den Fotowettbewerb meiner Schule gewonnen, obwohl ich nicht besonders begabt darin war – ich habe einfach nur hart gearbeitet!“

Bei ihren ersten Tauchgängen merkte sie, welche Reaktionen ihre Bilder auslösen konnten. „Ich konnte meine 500D nicht unter Wasser mitnehmen, weil es damals noch kein Unterwassergehäuse dafür gab, also habe ich eine kleine Action-Kamera benutzt“, erinnert sie sich. „Ich habe diese schrecklichen Aufnahmen von Fischen auf einem Korallenriff gemacht – unscharf und übersättigt – und sie meiner Oma gezeigt. Sie war so begeistert! Ich glaube, das war der Moment, in dem ich Storyteller wurde. Ich konnte über etwas von einem Ort der Welt berichten und es Menschen zeigen, die nichts darüber wissen bzw. kein Verhältnis dazu haben. Und durch die Begeisterung, die das in ihnen auslöste, entwickelte sich meine Berufslaufbahn in eine neue Richtung.“ 

Beim Filmen von Unterwasserexperimenten („wir nennen sie Trials“) lernte sie, wie sich Wissenschaft und Filmemachen miteinander verbinden lassen. „Man muss nicht nur die Farbbalance und den Weißabgleich richtig einstellen, sondern auch die Grundsätze des Filmemachens lernen, wie Verschlusszeit, ISO-Wert, Blende …“, erklärt sie. „All diese technischen Grundlagen habe ich mir als Wissenschaftlerin angeeignet. Ich habe YouTube-Videos angeschaut, Leute aus der Branche begleitet und alles aufgesogen, was ich konnte.“

Madeline St Clair schwimmt horizontal über ein riesiges Korallenbett. Sie trägt eine komplette Tauchausrüstung und hat eine Tauchflasche auf dem Rücken. Sie hält ihre VR-Kamera in einem wasserdichten Gehäuse vor sich und filmt beim Schwimmen.

Man könnte annehmen, das würde völlig ausreichen. Aber für Madeline reichte es nicht: jedesmal, wenn sie etwas Neus erlernte, kamen neue Fragen dazu. Und als sie während ihres Masterstudiums in Indonesien auf Tauchgang war, stellte sich ihr die entscheidende Frage. „Warum arbeiten keine einheimischen Frauen in den Meereswissenschaften?“ Die Antwort lautete zu ihrer Bestürzung, dass dies nicht als angemessene Arbeit für Frauen angesehen wurde. Aber auch andere geschlechtsspezifische Probleme in diesem Bereich bereiteten ihr große Sorgen. Ihre Antwort darauf? Sie gründete eine gemeinnützige Organisation mit dem Namen Women in Ocean Science. Da war sie gerade einmal 21 Jahre alt.

Auch wenn Madeline nach acht Jahren ihre Position als Managing Director niedergelegt hat (sie wird bald mit ihrer Dissertation über die Wiederherstellung von Korallenriffen beginnen), erfüllt sie die Arbeit der Wohltätigkeitsorganisation, die große Erfolge erzielen konnte, zu Recht weiterhin mit Stolz. „Unsere Hauptziele waren es, Frauen zu ermutigen, ihnen eine starke Stimme zu geben und Arbeitsmöglichkeiten im Bereich der Meereswissenschaften für sie zu schaffen“, sagt sie. „Empower Ocean ist unsere Initiative in Indonesien und auf den Malediven, bei der wir erfolgreich zwanzig einheimische Frauen im Tauchen und in den Meereswissenschaften ausgebildet haben. In kleinen Inselgemeinschaften finden sie oftmals kein Gehör, wenn es um Aufgaben rund um die Pflege des Ozeans geht. Ich hoffe, wir können Mittel beschaffen, um mehr zu tun.“

Im Jahr 2024 wurde sie außerdem zum „Storyteller in Residence“ des Oceanographic Magazine ernannt– ein „verrücktes Jahr“, in dem sie das tat, was sie am meisten liebt: Menschen mit bewegenden Geschichten zu begeistern. „Ich bin wirklich stolz auf die Geschichten, die ich in jenem Jahr erzählt habe“, sagt sie lächelnd. Und es war der perfekte Übergang zur einer Zusammenarbeit mit Canon, Coral Spawning International und Nature Seychelles, die uns die Möglichkeit gab, die Riffe in Virtual Reality festzuhalten und in einem ganz neuen Medium zu präsentieren – etwas, das Madeline sehr wichtig ist.

„Ich werde regelmäßig von jungen Frauen angesprochen, die sagen: ‚Ich möchte das machen, was Sie machen – Wissenschaft vermitteln‘“, fügt sie hinzu. „Einfach nur zu wissen, dass ich – vielleicht nur ein bisschen – die Menschen erreichen konnte, denen Wissenschaft und der Ozean am Herzen liegen und die sich für dessen Schutz einsetzen wollen, und es durch Filme und Fotos weitergeben zu können, ist unglaublich.“ 

Verfolgen Sie den Fortschritt unserer Arbeit mit Coral Spawning International und Nature Seychelles hier auf VIEW.

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