Nur wenige Arten der Fotografie decken so eine große Bandbreite an Objektiven ab wie die Astrofotografie. Der Nachthimmel kann mit allen möglichen Objektiven eingefangen werden: von Fisheye-Objektiven für umwerfende Sternenhimmel bis hin zu Teleskop-Objektiven für Deep-Sky-Bilder. Doch trotz dieser Extreme ist die Astrofotografie auch eines der Genres, zu denen man am leichtesten einen Zugang findet.
Tatsächlich braucht man für erste Aufnahmen des nächtlichen Sternenhimmels nicht mehr als eine spiegellose Kamera, ein Weitwinkelobjektiv und ein Stativ – kein Teleskop, kein Tracking-Bajonett und kein Spezialequipment.
Mit diesem einfachen Ansatz nimmt der in Island ansässige Landschaftsfotograf Radoslav Sviretsov seine sternenübersäten Szenen auf. Seine unverkennbaren Bilder kombinieren starke Elemente im Vordergrund mit einem epischen Sternenhimmel und der Milchstraße im Hintergrund.
Radoslav begann im Alter von 15 Jahren mit der Fotografie. Anfangs fesselten ihn Landschaften, aber mit einem starken Interesse an Aufnahmen des Nachthimmels. Er eignete sich so viel Wissen an wie möglich, insbesondere über die Nachbearbeitung von Astrobildern, die sich seiner Ansicht nach sehr stark von der Arbeit mit Landschaften unterscheidet.
Er entschied sich für ein Architekturstudium an der Universität und sagt, dass ihm sein Wissen über die Fotografie bei seiner Arbeit in der Architektur geholfen hat – und umgekehrt. „Als ich Architektur studierte, dachte ich über die richtige Perspektive und Komposition nach, die ich in meiner Fotografie verwendete. Die Aufnahme von Bildern betrachte ich aus einer architektonischen Sichtweise: Alles muss ausgeglichen und genau an der richtigen Stelle sein. Architektur und Fotografie unterstützen sich gegenseitig.“
Die Details im Vordergrund zählen für ihn am meisten und durch diese zeichnet sich seine Arbeit aus. „Der Nachthimmel sieht immer gleich aus“, sagt er. „Es könnte Tausende Jahre dauern, um Veränderungen einzufangen. Meine Fotos werden also durch den Vordergrund zu etwas Besonderem. Mithilfe der Perspektive einem Objekt nahe kommen und es hervorheben, durch Bäume hindurch fotografieren, ein menschliches Element hinzufügen: Durch diese Dinge wird die Szene interessanter.
„Wenn man sich nur das Weltall anschaut, sieht man ein paar schöne Sterne, einen Teil der Milchstraße. Aber wenn man eine menschliche Anwesenheit oder etwas Ähnliches hinzufügt, macht das einen großen Unterschied.“
Für leuchtende Sterne am Nachthimmel: 6 Tipps für die Profi-Astrofotografie von Nachthimmel-Experte Radoslav Sviretsov
Das RF 14mm F1.4L VCM ist mit seiner ultraweiten Brennweite, schnellen Blende von 1:1,4 und der Robustheit der L-Serie eines der besten Astrofotografie-Objektive. Sein fortschrittliches optisches Design umfasst drei GMo asphärisch geschliffene Linsen, um sagittales Koma auf dem gesamten Bild zu unterdrücken, selbst mit großer Blendenöffnung, damit die Sterne als scharfe Lichtpunkte dargestellt werden.
Für die Einrichtung einer Kamera für die Astrofotografie empfiehlt Radoslav, RAW-Dateien rechts vom Histogramm zu belichten, ohne die Highlights abzuschneiden, um das Signal-Rausch-Verhältnis für stärkere Details zu maximieren. Die Belichtung kann dann während der Verarbeitung auf ein normales Niveau reduziert werden. Er empfiehlt außerdem, die Bildschirmhelligkeit niedrig einzustellen. „Ist sie zu hell, kann es passieren, dass du falsch einschätzt, wie die Belichtung und damit das Bild am Ende aussieht.“
Um einen anderen Ansatz der Astrofotografie zu zeigen, hat Radoslav das RF 14mm F1.4L VCM auf Madeira auf Herz und Nieren getestet. Die Insel ist für ihre dunklen Himmel und zerklüftete Vulkanlandschaft bekannt, die nach den Sternen greift. Ultraweitwinkelobjektive sind sein liebstes kreatives Werkzeug, mit dem er epische Vordergründe und weitläufige Nachthimmel gleichzeitig festhalten kann. Sein Objektiv mit dem größten Weitwinkel hat 15 mm. Der Wechsel zum viel schnelleren und leichten RF 14mm F1.4L VCM bietet ihm also neue Möglichkeiten für seinen bevorzugten Stil der Astrofotografie.
„Es mag nur ein weiterer Millimeter sein, aber das macht einen riesigen Unterschied“, erklärt er. „Das ermöglicht mir die Perspektive, nach der ich suche. So kann ich nah an ein Objekt im Vordergrund herangehen und es wirklich hervorheben. Auch die Lichtstärke von 1:1,4 ist hilfreich, besonders in dunklen Umgebungen, weil ich damit eine schnellere Verschlusszeit nutzen und mit einer Einzelaufnahme ein starkes Bild erzielen kann.
„Die Größe des Objektivs ist ebenfalls überraschend. Es ist sehr klein und nicht sonderlich schwer. Das ist fantastisch, weil eines meiner anderen Objektive 1.100 g wiegt. Das RF 14mm F1.4L VCM bringt gerade einmal die Hälfte davon auf die Waage und ist dennoch schneller und hat einen größeren Weitwinkel. Das fällt besonders auf, wenn man den ganzen Tag auf den Gipfeln und Wanderwegen Madeiras unterwegs ist, da es einfach zu tragen und anzupassen ist.“
Besitzt du eine Canon Ausrüstung?
Fotografieren des Nachthimmels mit herausragenden Details
Das RF 14mm F1.4L VCM ist mit seinem ultrakompaktem Ultraweitwinkel-Design mit ultraschneller Blende von 1:1,4 eine extrem praktische Option für Landschafts- und Astrofotografie. Doch es ist die kompromisslose Bildqualität des Objektivs, die noch lange nach der Aufnahme beeindruckt.
Eine konsistent hohe Leistung von der Bildmitte bis zum Rand, selbst wenn das Objektiv mit einer hohen Blendenöffnung von 1:1,4 verwendet wird, wird durch ein hochmodernes Design erzielt. Es umfasst GMo asphärisch geschliffene Linsen, um sagittale Koma-Reflexion zu unterdrücken und so Sterne im gesamten Bildausschnitt präzise darzustellen. Chromatische Aberrationen werden durch die Verwendung von Fluorit minimiert. Dies wird häufiger in professionellen Superteleobjektiven verwendet, zusammen mit UD- und BR-Elementen. SWC- und ASC-Vergütungen sorgen zusätzlich dafür, dass Geisterbilder und Streulicht wirksam unterdrückt werden.
Radoslav erklärt, dass diese konsistente Schärfe im gesamten Bildausschnitt neue Möglichkeiten für die Aufnahme mit offener Blende bietet. Sie ermöglicht schnellere Verschlusszeiten, welche die Bewegung der Sterne einfrieren, ohne ISO erhöhen zu müssen. „Bei meinem vorherigen Objektiv musste ich oft die Blende auf 1:3,5 reduzieren, aber mit dem RF 14mm F1.4L VCM konnte ich auch mit 1:1,4 fotografieren“, sagt er. „Es gibt nahezu keine Verzerrungen und kein Koma. Wenn man bei der Bearbeitung eines Bildes [mit der Digital Photo Professional Software] Canons digitale Objektivkorrektur für das RF 14mm F1.4L VCM anwendet, ist alles perfekt.”
Zusätzlich zu den hochleistungsstarken internen Linsen bietet die Frontlinse eine Fluorbeschichtung zur leichteren Reinigung. „Ich habe das Objektiv am Meer verwendet, wo die brechenden Wellen die Kamera mit Wassertröpfchen belegten“, erzählt Radoslav. „Bei manchen Objektiven hinterlässt Salzwasser Spuren auf der Frontlinse, aber es war sehr einfach, das RF 14mm F1.4L VCM sauber zu halten.”
Radoslav verlässt sich in der Regel auf seine treue Canon EOS R für die Astrofotografie, aber für die Madeira-Aufnahmen kombinierte er das RF 14mm F1.4L VCM mit einer Canon EOS R5 Mark II. „Sie sind für einander gemacht“, erzählt er begeistert. Die Kombination des Sensors mit höherer Auflösung und den modernen Linsen „funktionierte hervorragend“.
„Die Bilder sind gestochen scharf“, sagt er und ergänzt, dass die zusätzliche Auflösung außerdem mehr Flexibilität beim Zuschneiden bietet. „Es ist großartig, die Option zu haben, den Bildausschnitt bei Bedarf anzupassen. Ich versuche immer, meine Kompositionen schon auf der Kamera zu optimieren, aber wenn ich später zuschneiden muss, weiß ich, dass die Bildqualität nicht darunter leiden wird, weil die EOS R5 Mark II über so viele Megapixel verfügt. Es war wirklich gut, das Objektiv mit dieser speziellen Kamera zu verwenden.“
Die Astrofotografie ist eine Kombination aus technischer Kontrolle und künstlerischem Handwerk, aber, da der Nachthimmel uns allen zugänglich ist, ist sie sehr viel leichter umsetzbar, als man zunächst denken könnte. Du solltest dich so weit wie möglich von Lichtverschmutzung entfernen, dann wirst du mit zeitlosen Ansichten belohnt, welche die kreative Szene seit Generationen inspiriert. Hier teilt Radoslav praktische Tipps für Aufnahmen des nächtlichen Sternenhimmels, damit du jede Gelegenheit mit einem Weitwinkelobjektiv voll ausschöpfen kannst.
Radoslav verwendet eine Smartphone-App, um die Bewegung der Milchstraße zu verfolgen. „Es gibt bestimmte Zeiträume für die Astrofotografie“, erklärt er. „Der farbige Kern der Milchstraße zum Beispiel ist in Europa nur von Anfang Mai bis Ende September zu sehen.“ Es lohnt sich also, jede Gelegenheit zu nutzen.
Radoslav hat den Monduntergang auf Madeira eingefangen. „Der Mond war in diesem Moment extrem klein und sehr dicht am Horizont. Es sieht aus, als würde die Sonne untergehen und das Bild wird in einen wunderschönen Glanz getaucht.“ Aufgenommen mit einer Canon EOS R5 Mark II und einem RF 14mm F1.4L VCM Objektiv bei 13 Sekunden, 1:1,4 und ISO3200. © Radoslav Sviretsov
Plane deine Astrofotografie-Aufnahmen bei Tageslicht
Eine spontane Nachthimmel-Fotosession kann sich lohnen, aber wenn du alles am Tag einrichtest, kannst du den Bildausschnitt optimieren. „Du könntest damit anfangen, deine Aufnahmen schon viel eher auf einer Karte an deinem Computer zu planen“, empfiehlt Radoslav. „Geh schon bei Tageslicht zu deiner Location und nutze die Zeit, um die perfekte Positionierung für deine Kamera zu finden.“
Dafür verwendet Radoslav eine Smartphone-App, welche die exakte Position der Milchstraße fünf oder sechs Stunden im Voraus anzeigt. So weiß ich genau, wo ich mein Stativ aufstellen muss, spare Zeit und weiß, was mich erwartet. Es gibt keine Überraschungen.“
Fotografiere die Vordergrunddetails während der blauen Stunde statt mitten in der Nacht, wo es nur wenig Beleuchtung, kräftige Schatten und starkes Bildrauschen gibt. Zusammengesetztes Bild, das auf einer Canon EOS R mit einem RF 14mm F1.4L VCM Objektiv aufgenommen wurde. Vordergrund: 30 Sekunden, 1:7,1 und ISO1250. Himmel: Fünf überlagerte Bilder bei 10 Sekunden, 1:1,4 und ISO4000. © Radoslav Sviretsov
Fotografiere dein Vordergrundmotiv in der blauen Stunde
„Ich fotografiere die Landschaft in der blauen Stunde der Dämmerung, weil ich im Vordergrund kein starkes Licht möchte“, erklärt Radoslav. „Ich will, dass es den Eindruck macht, als wären alle Bereiche des Fotos im selben Moment aufgenommen worden. Die blaue Stunde bietet sehr sanftes Licht ohne harte Schatten, was das Überlagern von Himmel und Vordergrund später erleichtert.“
„Ich versuche, die blaue Stunde bestmöglich zu nutzen, da dies der wichtigste Faktor ist, um ein interessantes und unverkennbares Bild aufzunehmen. Dieses begrenzte Zeitfenster, vielleicht 30 bis 40 Minuten, ist entscheidend. Da ich die genaue Position der Milchstraße für diese Komposition bereits überprüft habe, kann ich später in der Nacht einfach an einer Stelle stehen und darauf warten, dass die Sterne sich perfekt ausrichten.“
Dieser Ansatz beschreibt eine Technik, die er oft verwendet, um sowohl im Vordergrund als auch im Hintergrund für Schärfe zu sorgen: die Zwei-Aufnahmen-Methode.
Manchmal begegnet dir eine Szene, auf die du nicht ganz vorbereitet bist. „Wenn ich es nicht geschafft habe, den Vordergrund während der blauen Stunde aufzunehmen, muss ich umplanen“, erklärt Radoslav. „Ich fotografiere fünf Belichtungsaufnahmen des Vordergrunds bei Nacht, jede etwa eine Minute lang, damit ich sie überlagern kann. Damit verbessere ich die Bildqualität und öffne die Schatten. Danach mache ich die Himmelsaufnahmen und kombiniere alles.“
Radoslav empfiehlt, die Überbelichtungswarnung der Kamera zu aktivieren, damit du auf zu helle Bereiche hingewiesen wirst. „Es ist wichtig, das Bild nicht zu überbelichten, weil du sonst die natürliche Farbe der Sterne verlierst“, rät er. „Einige sind ein bisschen grün oder gelb oder blau, und wenn du sie überbelichtest, sind sie alle weiß. Wenn es nicht zu viele leuchtende Bereiche gibt, sollte es klappen, da ich in RAW aufnehme und die Highlights und Belichtung später reduzieren kann.“ Zusammengesetztes Bild, aufgenommen mit einer Canon EOS R5 Mark II mit einem RF 14mm F1.4L VCM Objektiv. Vordergrund: 13 Sekunden, 1:1,4 und ISO4000. Vordergrund: 13 Sekunden, 1:1,4 und ISO3200. © Radoslav Sviretsov
Zwei-Aufnahmen-Technik für die Astrofotografie
Die besten Astrofotografie-Objektive verfügen über große maximale Blenden, um mehr Licht einzufangen. Dadurch kannst du schnellere Verschlusszeiten nutzen, um Sternenschweife zu reduzieren oder ganz zu beseitigen und dabei die ISO-Einstellung für sauberere Fotos relativ gering zu halten. Aus diesem Grund ist das RF 14mm F1.4L VCM ideal für das Fotografieren des nächtlichen Sternenhimmels. Wie schafft Radoslav es also, die Schärfe von nahen Objekten wie auch entfernten Sternen beizubehalten, wenn er den Nachthimmel mit einer großen Blende wie 1:1,4 fotografiert?
„Es ist ein toller Trick“, findet er. „Befindet sich ein Objekt sehr nah an der Kamera, schließe ich die Blende in der Regel auf etwa 1:8, um den Vordergrund mit gestochen scharfen Details ohne Fokus-Stacking einzufangen. Dann warte ich, bis es dunkel ist und fotografiere die Milchstraße aus derselben Position mit einer größeren Blendenöffnung. Später kombiniere ich die beiden Bilder.“
Das ist eine beliebte Technik in der Astrofotografie, erklärt Radoslav. „Ist der Vordergrund weiter entfernt, zum Beispiel Wolken oder Nebel über entfernten Bergen, mache ich eine Einzelaufnahme bei unendlichem Fokus mit maximaler Blende, und das werden fantastische Bilder.“
Dank der Nahfokussierungsfunktion und des Ultraweitwinkels mit 114 °diagonalem Gesichtsfeld des RF 14mm F1.4L VCM erzielte Radoslav eine dynamische Perspektive mit Vordergrunddetails, während er den Himmel einrahmte. Zusammengesetztes Bild, das auf einer Canon EOS R mit einem RF 14mm F1.4L VCM Objektiv aufgenommen wurde. Vordergrund: 1/60 Sekunden, 1:5,6 und ISO3200. Himmel: Zehn überlagerte Bilder bei 10 Sekunden, 1:1,4 und ISO3200. © Radoslav Sviretsov
Bei Weitwinkelaufnahmen im Dunkeln lohnt es sich, die Ränder des Bildausschnitts noch einmal zu überprüfen, bevor du den Auslöser drückst. „Mir ist schon passiert, dass Stativbeine – oder meine eigenen Füße – auf dem Foto zu sehen waren“, berichtet Radoslav. „Ein kurzer Blick mit der Taschenlampe auf die Umgebung kann dir später viel Frust ersparen.“ Aufgenommen auf einer Canon EOS R mit einem RF 14mm F1.4L VCM Objektiv bei 4 Sek., 1:1,4 und ISO1250. © Radoslav Sviretsov
Die richtige Verschlusszeit für scharfe Sterne
Einer der wichtigsten Tipps, den Radoslav Fotografen für ihre ersten Schritte in der Astrofotografie gibt, mag vielleicht überraschen: Bedenkt die Auflösung der Kamera bei der Einstellung der Verschlusszeit.
„Um Sterne als scharfe Punkte statt Schweife darzustellen, welche durch die Erdrotation entstehen, ist es wichtig, die maximale Belichtungszeit des eigenen Objektivs zu kennen“, erklärt er. Das ist die Grundlage der 500er Regel in der Astrofotografie: Teile 500 durch die effektive Brennweite deines Objektivs, um die längste Verschlusszeit in Sekunden zu berechnen, damit die Sterne scharf bleiben.
Mit dem RF 14mm F1.4L VCM zum Beispiel sollte die Belichtungszeit laut der 500er Regel nicht mehr als 36 Sekunden betragen (500 ÷ 14), um Sternenschweife zu vermeiden.
„Es ist keine genaue Wissenschaft, da auch die Megapixel des Sensors eine wichtige Rolle spielen“, erklärt er. „Die maximale Verschlusszeit, die du ohne das Auftauchen von Sternenschweifen verwenden kannst, unterscheidet sich zwischen beispielsweise einer 24MP und einer 45MP Kamera, selbst mit demselben Objektiv.
„Die einfachste Lösung besteht darin, einen der vielen Astrofotografie-Rechner zu benutzen, die online oder in Apps zur Verfügung stehen“, ergänzt Radoslav. „Gib einfach dein Kameramodell und die Brennweite des Objektivs ein und schon wird dir die maximale Verschlusszeit angezeigt.“
Bei Himmelsaufnahmen verwendet Radoslav entweder die manuelle Schärfeeinstellung der Kamera, um den unendlichen Fokus einzustellen, oder wechselt häufiger zum One Shot AF, um auf eine helle Lichtquelle zu fokussieren. „Das können Stadtlichter am Horizont oder der Mond sein, wenn er zu sehen ist. Dann stelle ich den Autofokus aus. Wenn es kalt und dunkel ist, kann es leicht passieren, dass man versehentlich den Fokusring verstellt. Wenn ich also eine Starstacking-Sequenz aufnehme, überprüfe ich die Bilder sofort auf der Kamera, um sicherzustellen, dass alles richtig ist. Die Sterne sollten auf jedem Bild gestochen scharf sein.“ Zusammengesetztes Bild, das auf einer Canon EOS R mit einem RF 14mm F1.4L VCM Objektiv aufgenommen wurde. Vordergrund: 1/100 Sekunden, 1:5,6 und ISO2000. Himmel: Zehn überlagerte Bilder bei 10 Sekunden, 1:1,4 und ISO3200. © Radoslav Sviretsov
Alles über Starstacking
In der Astrofotografie ist Starstacking eine Nachbearbeitungstechnik, die für sauberere, detailliertere Bilder des Nachthimmels verwendet wird. Statt sich auf eine einzige Langzeitbelichtung zu verlassen, was nicht immer praktisch ist, kann man schnell aufeinander folgend eine Reihe von Aufnahmen mit kürzeren Belichtungszeiten fotografieren. Diese Aufnahmen werden dann mithilfe einer Starstacking-Software abgestimmt und kombiniert. Dieser Prozess reduziert Rauschen und sorgt für ein hochwertigeres finales Bild mit feineren Details.
Canons Digital Photo Professional Software bietet ebenfalls ein Bildbearbeitungstool mit neuronalen Netzwerken im Abomodell, das die Bildqualität ohne herkömmliches Stacking verbessern kann. Durch den Einsatz von KI mit Deep Learning können Bilder auf kompatiblen Kameras aufgenommen werden, um eine drastische Rauschreduzierung zu erzielen, aber zugleich wichtige Details zu erhalten.
„Ich mache immer zehn Aufnahmen des Himmels, falls ich sie überlagern muss“, erklärt Radoslav. Einige EOS R Systemkameras, einschließlich der EOS R5 Mark II, die Radoslav auf Madeira verwendet hat, verfügen über einen Intervall-Timer, der den Prozess einer Aufnahmeserie vereinfacht. Eine Fernbedienung mit Intervallgeber, wie die Timer Fernbedienung TC-80N3, ist eine weitere Option – obwohl Radoslav sagt, dass er die zehn Aufnahmen oftmals einfach über den dreh- und schwenkbaren Touchscreen der Kamera macht.
„Ich hatte bisher kein Problem damit, einfach mit meinem Finger ein Foto nach dem anderen zu machen. Man muss nur darauf achten, dass keine große Lücke zwischen den Fotos entsteht, weil es sonst eine Lücke zwischen den Sternen selbst geben könnte. Es vergehen nicht mehr als eine oder höchstens zwei Sekunden.“
Radoslav fotografiert sich oft selbst, hier mit einer Laterne im Vordergrund. Er verwendet lieber Kerzen als künstliche Lichtquellen. „Kerzen sind ein sehr nützliches Werkzeug“, sagt er. „Das weiche, warme Licht trägt zur Stimmung eines Nachthimmels bei und sorgt für einen märchenhaften Look.“ Zusammengesetztes Bild, das auf einer Canon EOS R5 Mark II mit einem RF 14mm F1.4L VCM Objektiv aufgenommen wurde. Vordergrund: 20 Sekunden, 1:1,4 und ISO4000. Himmel: Zehn überlagerte Bilder bei 13 Sekunden, 1:1,4 und ISO3200. © Radoslav Sviretsov
So überlagerst du deine Nachthimmelaufnahmen
Radoslav nutzte Digital Photo Professional für die Verarbeitung der RAW-Dateien von seinen Madeira-Aufnahmen. Dabei wendete er das Digital Lens Optimizer-Profil (DLO) für das RF 14mm F1.4L VCM an, um die optimale Leistung des Objektivs herauszuholen.
Er empfiehlt die Nutzung der automatischen Tools in Adobe® Photoshop®1 für das Verschmelzen des Nachthimmels mit Bildern im Vordergrund. Mit der neuesten Sky Replacement-Funktion, sagt er, ist die Verbesserung des Übergangs zwischen den beiden Elementen schnell und einfach: „Es geht sehr schnell und zuverlässig, und man kann noch sehr viele Anpassungen vornehmen.“
Bei einigen Bereichen muss man sich aber trotzdem noch auf einen eher manuellen Ansatz verlassen. „Manchmal verschmilzt der Himmel nicht perfekt mit den Rändern von Felsen oder Gras, das muss man von Hand mit Pinseln und Masken ausbessern, doch das kommt selten vor“, ergänzt er. „Das ist besonders dann der Fall, wenn der Vordergrund mit einer Langzeitbelichtung aufgenommen wurde und einige Bereiche verschwommen sind. Diese Bereiche muss man gegebenenfalls entfernen.“
Bei seinen zehn Bildern des Nachthimmels verwendet Radoslav eine spezielle Starstacking-Software, um sie abzustimmen, bevor sie mit dem Vordergrund verschmolzen werden. „Zuerst nehme ich kleine Anpassungen an den RAW-Dateien vor, wie zum Beispiel eine Objektivkorrektur, damit sie genau gleich sind. Anschließend speichere ich sie als TIFFs und lasse sie dann durch die Stacking-Software laufen.
„Wenn die Bilder nur den Himmel zeigen, kümmert sich die Software um alles. Wenn der Vordergrund in jeder Aufnahme zu sehen ist, kannst du diesen Bereich einfrieren. Andernfalls kann er aufgrund der Erdrotation verschwimmen.“
- Adobe und Photoshop sind entweder Marken oder eingetragene Marken von Adobe in den USA und/oder anderen Ländern.