„Wir geben richtig Gas“, sagt Kelly Powell, Head of Engagement bei „Citizens of the Reef“. Ehrlich gesagt fühlt sich das eher wie eine Untertreibung an. Denn es ist erst wenige Jahre her, dass ihre ersten Riffbilder aufgenommen, markiert und analysiert wurden, aber schon heute werden ihre Aktivitäten so skaliert, dass sie eine globale Reichweite erzielen können – und die Dringlichkeit der Lage ist deutlich spürbar.
In den sechs Monaten, seit denen Mitarbeitende von Canon an dem Programm teilnehmen und mithilfe der eigens dafür entwickelten Plattform Bilder von Korallen begutachten und kategorisieren, hat „Citizens of the Reef“ seine Aktivitäten sowohl auf das Rote Meer als auch auf ein Gebiet ausgeweitet, das als „Korallendreieck“ bekannt ist. Dies ist ein riesiger Hotspot der Artenvielfalt, der sich über sechs Länder im westlichen Pazifik und im Indischen Ozean erstreckt und 76 % der weltweiten Korallenarten beheimatet. „Wir haben unsere erste Pilotierung für eine Bestandsaufnahme in Indonesien, Malaysia und auf den Philippinen durchgeführt“, erklärt Kelly. „Wir befinden uns gerade mitten in der Analysephase und arbeiten daran, den Verantwortlichen vor Ort konkrete Daten über das Riff zu liefern.“
Dies alles wurde durch eine außergewöhnliche Kombination aus engagierten Menschen, Wissenschaft und Technologie ermöglicht. Am Great Barrier Reef wird die Phase im Wasser von einer lokalen australischen Reef Cooperative der Yirrganydji- und Gunggandji-Bevölkerung (Sea Ranger der First Nations) sowie von Meeresbiolog:innen und Tauchunternehmen durchgeführt, wodurch täglich der Zugang zu den Gewässern ermöglicht und Bilder aufgenommen werden. Das sind Menschen, für die ein intaktes Great Barrier Reef ihre Heimat und ihr Leben bedeutet, ja ihre Lebensgrundlage ist.
Ab diesem Punkt übernehmen „Citizens of the Reef“ die Koordination der Technik- und Analysephase, bündeln die Daten zentral und bereiten sie so auf, dass sie von allen genutzt werden können, die ebenfalls Interesse am Schutz der Riffe haben. Zu den engagierten Freiwilligen aus aller Welt zählen auch unsere Kolleginnen und Kollegen von Canon, deren Tausende von Klicks dazu beitragen, die Plattform
Great Reef Census
auf Herz und Nieren zu prüfen.
Der nächste Schritt ist es, alles zusammenzubringen, was sie gelernt und entworfen haben und wofür sie so hart gearbeitet haben – und es global zu skalieren. „Wir haben den Great Reef Census und die Reef Cooperative, die seit sechs Jahren in Australien erprobt wird“, erklärt Kelly. „Daher ist es jetzt an der Zeit, das Ganze international zu skalieren. Denn da es weltweit so viele kleine Organisationen zum Schutz von Korallenriffen gibt, möchten wir sie zusammenbringen und ihre Stärken bündeln, um so gemeinsam eine größere Wirkung zu erzielen.
Und obwohl dies für eine relativ junge Initiative wie ein gewaltiges Vorhaben klingt (insbesondere da das zentrale Team von „Citizens of the Reef“ nur aus elf Personen besteht), war ihre sechsjährige Arbeit in Australien nachweislich ein Erfolg. Die von Freiwilligen mithilfe des Great Reef Census erfassten Daten waren beispielsweise qualitativ so hochwertig, dass sie – zusammen mit ihrem kostengünstigen, KI-gestützten Betriebsmodell – weltweit für Aufsehen sorgten.
„Historisch gesehen galt Citizen Science nie als zuverlässig“, erklärt Kelly. „Es dauerte daher viele Jahre, bis unser Team an Glaubwürdigkeit gewann, insbesondere beim Great Barrier Reef, aber schließlich begannen die Menschen, und inzwischen auch die Regierung, unsere Daten zu nutzen. „Schließlich wurden Studien veröffentlicht, die die Genauigkeit unserer Daten im Vergleich zu denen eines wissenschaftlichen Experten belegten, und plötzlich änderte sich alles.“
Ihr Ziel ist es, eine Gemeinschaft von einer Million „Citizens of the Reef“ aufzubauen, von denen alle unterschiedliche Rollen und Verantwortlichkeiten haben, wobei der Census das Herzstück bildet. Dadurch wird eine beeindruckende Menge von Daten erzeugt, mit denen Riff-Manager:innen und Wissenschaftler:innen arbeiten können. „Im Moment sind Menschen auf der ganzen Welt an über 1250 Orten beim Census engagiert – darunter einige, von denen man nie glauben würde, dass man sich dort für tropische Riffe interessierte.“ Diese globale Gemeinschaft, von denen viele Mitglieder noch nicht einmal in der Nähe von Ozeanen leben, zeigt wohl am deutlichsten, wie sehr das Schicksal der Korallenriffe ins öffentliche Bewusstsein vorgedrungen ist.
„Was letztes Jahr zehn Monate gedauert hat, haben wir dieses Jahr in weniger als drei Monaten erreicht“, fügt sie hinzu. Tatsächlich gehören die drei besten ehrenamtlichen Bildanalysten von Canon zu den international Besten – Kerry in London ist die Nummer zwei der Welt, Bruno in Frankreich die Nummer sieben und Paolo in Lissabon die Nummer fünfzehn. Ihre Zahlen und ihre Genauigkeit bringen sie auf das Level von Citizen-Science-Expert:innen. Deshalb sind unsere Partnerschaften mit großen Unternehmen wie Canon so entscheidend, um diese Daten so schnell wie möglich zu verarbeiten und nutzbar zu machen.“
Und bei der weltweiten Ausweitung wird diese Vielzahl internationaler Bürgerwissenschaftler:innen entscheidend dazu beitragen, neue, genaue und regelmäßig erhobene Daten zu liefern, die in ihr wachsendes Netzwerk internationaler Renaturierungs- und Schutzprogramme einfließen. Und es sieht so aus, als würde es bald noch einfacher werden. „Wir haben gerade die Finanzierung erhalten, um den Great Reef Census in eine App umzusetzen!“ sagt Kelly begeistert. „Wir hoffen, das Konzept spielerisch zu gestalten, damit es noch mehr Menschen erreicht, was echt cool wäre.“
Korallenriffe geraten durch die Erwärmung der Meere, Korallenbleiche und ein starkes El Niño-Phänomen im tropischen Pazifik, das voraussichtlich bis Herbst 2027 anhält, immer stärker unter Druck – daher ist jetzt der ideale Moment, um sich weltweit stärker zu engagieren. Mit Pilotprojekten in Hawaii, dem Roten Meer und dem Korallendreieck („mit zukünftigen Plänen für die Karibik“) sowie einer ständig wachsenden Zahl von Bürgerwissenschaftler:innen, die weltweit die Great Reef Census-Plattform nutzen – scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis „Citizens of the Reef“ überall auf der Welt bekannt sein wird. Aber Kelly und das Team behalten die Menschen und den Plan fest im Auge. „Sobald die Infrastruktur steht, werden wir als nächsten Schritt darauf schauen, wie wir eng mit Gemeinden, Organisationen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammenarbeiten, um das Projekt besonders erfolgreich zu machen.“ Denn alle können mitwirken – ob am Meer oder am Wasserspender.
Wir unterstützen Bemühungen zur Bewahrung der verborgenen Korallenwelt. Verfolgen Sie den Fortschritt unserer Arbeit hier.
Weitere Geschichten
-
„Best fishes, Devon” – Lernen Sie die Canon Stipendiatin kennen, die Herzen für Korallenriffe gewinnt.
Meereswissenschaftlerin Devon Ledbetter ist Canon Stipendiatin im Rescue-a-Reef-Programm der Universität Miami und entwickelte die Fähigkeit, der Wissenschaft eine Stimme zu geben.
-
Möchtest Du ein Citizen of the Reef werden? Du bist nur einen Klick davon entfernt
Andy Ridley wollte einen Ort schaffen, an dem alle, egal wo sie sich gerade befinden, dazu beitragen, dass unsere kostbaren Korallenriffe eine hoffnungsvolle Zukunft haben. Dafür reicht ein Tastendruck.
-
Wie Tethys durch Bilder Maßnahmen für die Zukunft unserer Ozeane entwickelt.
Durch den Einsatz des Canon EOS R-Systems werden Bilddaten von gefährdeten Arten erfasst, die es dem Tethys-Institut in Italien ermöglichen, die Zukunft unserer Ozeane mitzugestalten.
-
Lerne die Riffretter:innen von Nature Seychelles kennen
Lerne die „Riffretter:innen“ kennen – ein Spitzenteam aus Meeresbiolog:innen und Umweltwissenschaftler:innen mit einer unermüdlichen Leidenschaft und viel Energie für die Wiederherstellung von Korallenriffen.